Verpasst beim Termin: Zeit zur Ruhe oder eine verpasste Chance?
Ein paar Mal im Monat passiert es uns: Wir haben einen Termin vereinbart, um jemandem zu helfen, aber die Person erscheint nicht. Kein Anruf, keine Nachricht. Nichts. Zuerst fühlt sich das wie eine frustrierende Niederlage an. Wir planen durchschnittlich 1,5 Stunden pro Person ein, also wenn an einem Tag zwei Personen nicht kommen, sind das schnell mindestens drei Stunden, die wir anders hätten nutzen können. (Und dazu kommt ja noch die Reisezeit.)
Wir haben eine Warteliste voller Menschen, die sehnsüchtig darauf warten, geholfen zu werden. Die Frustration liegt nicht so sehr an unserer „verlorenen“ Zeit, sondern an der Chance, die dadurch anderen Menschen genommen wird. Es fühlt sich unfair an: Unsere Zeit wird nicht nur gestohlen, sondern die Hilfe, die wir einer Person geben wollten, kann nicht an eine andere weitergegeben werden, die sie gerne angenommen hätte.
Verantwortung bei sich selbst
Heutzutage sehen wir das anders. Statt Frustration empfinden wir auch eine Form von Akzeptanz. Wir sind nämlich überzeugt, dass die Verantwortung für die eigene Gesundheit, das Wohlbefinden oder die Zukunft in erster Linie bei der jeweiligen Person selbst liegt. Wenn jemand nicht einmal die Mühe aufbringt, zu einem ersten Termin zu erscheinen, wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person die Ratschläge und Hilfestellungen, die wir geben, wirklich annimmt?
Wir glauben, dass die Frucht unserer Arbeit in dem Einsatz der anderen liegt. Deshalb sehen wir ein „No-Show“ jetzt als ein frühes Signal. Es zeigt uns direkt, wer bereit ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und wer nicht. Das hilft uns, unsere kostbare Zeit zukünftig denen zu widmen, die wirklich bereit sind, sich einzusetzen.
Von „Ja und Nein“ zu „Ruhe und Fokus“
Früher haben wir bei einem No-Show sofort Kontakt aufgenommen. Wir haben angerufen und wiederholt Nachrichten geschickt, um einen neuen Termin zu vereinbaren. Heute machen wir das nicht mehr. Bei einem verpassten Termin senden wir nur noch eine kurze Nachricht: „Wir haben dich bei unserem Termin vermisst.“ Danach liegt der Ball wieder bei ihnen. Wenn sie selbst den Schritt machen, einen neuen Termin zu vereinbaren, und dann wieder nicht kommen, lassen wir es vollständig los. Keine Nachrichten, keine Anrufe mehr.
Dieser Ansatz ist nicht herzlos, sondern praktisch. Die Verantwortung lag und liegt bei der Person, die Hilfe sucht. Indem wir diese Grenze setzen, verhindern wir, dass unsere Zeit auf unangebrachte Weise gestohlen wird. Gleichzeitig schaffen wir automatisch Zeit für diejenigen, die sich die Zeit für ihr eigenes Wohlbefinden nehmen und bereit sind, an einer Verbesserung zu arbeiten.
Biblische Lektionen über Verantwortung und Frucht
Dieses Prinzip der Eigenverantwortung und des Engagements zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel. Verschiedene Texte ermutigen uns, unsere eigene Verantwortung zu übernehmen und zu erkennen, dass unsere Taten Frucht bringen (und dass unsere eigenen Taten auch Konsequenzen haben)…
- Sprüche 27,23-24: „Sei eifrig, deinen Kleinviehbestand zu kennen, und achte wohl auf deine Herden! Denn Reichtum bleibt nicht ewig, und eine Krone währt nicht für alle Generationen.“ (Dieser Text betont, dass man selbst für seine Angelegenheiten sorgen muss. Er unterstreicht die Bedeutung, Verantwortung für das zu übernehmen, was man von Gott erhalten hat.)
- Galater 6,4-5: „Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er an sich selbst allein Ruhm haben und nicht an einem anderen. Denn jeder wird seine eigene Last tragen.“ (Diese Verse sprechen direkt über persönliche Verantwortung. Jeder Mensch trägt die Verantwortung für sein eigenes Leben und seine Taten.)
- Matthäus 13,23: „Was aber auf das gute Land gesät ist, das ist, wer das Wort hört und versteht; der bringt dann Frucht und bringt hundertfach, andern sechzigfach, andern dreißigfach.“ (Dieses Gleichnis zeigt, dass das Samenkorn der Wahrheit nur in einem Herzen Frucht trägt, das bereit ist und es auch tatsächlich in die Praxis umsetzt.)
Also, bei einem „No-Show“? Kein Problem. Für uns ist es ein Moment zum Durchatmen und Genießen der unerwarteten Ruhe, in dem Wissen, dass wir unsere Energie für diejenigen bewahren können, die die angebotene Hand auch tatsächlich ergreifen. Es gibt uns die Zeit, neue Kraft zu schöpfen, damit wir ganz für die Menschen da sein können, die wirklich bereit sind, sich einzusetzen.


