4 Jahre Ukrainische Kirche in Schwerin
Letzte Woche haben wir gefeiert, dass die ukrainische Gemeinde in Schwerin schon seit vier Jahren besteht.
Du lebst in Mecklenburg-Vorpommern, gehst in eine Pfingstgemeinde, und heute—ja wirklich heute—musst du nach Spanien fliehen. Du lässt alles zurück. Auf dem Weg erlebst du Dinge, die niemand je erleben sollte. Überall fallen Bomben, Menschen, mit denen du auf der Flucht bist, überleben es nicht, während du nur knapp entkommst.
Und dann kommst du in ein Land, dessen Sprache du nicht sprichst. Du kennst die Kultur nicht. Du kennst niemanden. Die Einsamkeit ist überwältigend.
Aber dann entdeckst du, dass noch ein anderer Deutscher im selben Auffangort lebt. Auch ein Flüchtling. Unglaublich!
Nur… sie kommt aus Bayern. Und sie war früher in einer sehr traditionellen, reformierten Gemeinde. Ganz anders als das, was du aus der Pfingstgemeinde in Mecklenburg-Vorpommern gewohnt bist.
Trotzdem sucht ihr euch. Ihr versucht, so gut es eben geht, eine Freundschaft aufzubauen. Und langsam entsteht eine ganz, ganz kleine Gemeinde.
Ich weiß nicht genau, wie das hier in Schwerin vor vier Jahren gelaufen ist. Aber ich kann mir vorstellen, dass es ziemlich spannend war. Nicht nur ein neues Land und eine neue Kultur, sondern auch Mitgeflüchtete, die zwar aus demselben Land kommen, aber alle wieder einen anderen Hintergrund, eine andere Region und manchmal auch eine andere Art von Gemeindeleben haben.

Und trotzdem… sie haben sich gefunden.
Vor vier Jahren dachten fast alle, dass es nur ein paar Monate dauern würde. Dass sie schnell wieder nach Hause könnten. In ihre eigene Stadt. In ihre eigene Gemeinde. Zu ihrer eigenen Familie.
Vier Jahre später sieht die Realität anders aus. Manche haben ihr Haus noch. Bei anderen ist nichts mehr übrig. Manche haben ihre Familie sicher um sich, andere leben jeden Tag mit der Sorge um Angehörige, die noch in der Ukraine sind. Familien wurden auseinandergerissen. Männer sind zurückgeblieben oder wurden eingezogen, um zu kämpfen. Der Krieg bestimmt immer noch jeden Tag ihr Leben.
Und trotzdem ist da, mitten in all diesem Zerbruch, eine Gemeinde entstanden.
Was auch immer man von Kirchen hält, seien wir ehrlich: Dass so etwas entsteht und nach vier Jahren immer noch besteht, ist besonders. Nein, eigentlich ist es ein Wunder. Ich glaube, dass nur Gott Menschen aus so vielen unterschiedlichen Hintergründen so zusammenbringen kann. Nicht, weil sie gleich sind, sondern weil sie gemeinsam dieselbe Hoffnung haben.
Denn wenn dir alles unter den Füßen weggezogen wird, worauf stehst du dann noch?
Das erinnert mich an das alte Kinderlied aus der Sonntagsschule. Von dem klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen baute, und dem törichten Mann, der auf Sand baute. Der Sturm kam. Der Regen fiel. Der Fluss trat über die Ufer.
Der Unterschied lag nicht im Sturm. Der kam bei beiden. Der Unterschied lag im Fundament.
Diese Brüder und Schwestern haben eine Lektion gelernt, die niemand erleben möchte. Sie wissen wie kein anderer, wie schnell Sicherheiten verschwinden können. Ein Haus. Arbeit. Besitz. Sicherheit. Kontrolle über das eigene Leben.
Alles kann dir genommen werden. Außer Einer. Gott verändert sich nicht. Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Die Wahrheit des Evangeliums verändert sich nicht. Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Er ist auferstanden. Und für jeden, der auf ihn vertraut, wartet eine Zukunft, die durch keinen Krieg zerstört werden kann.
Das nimmt den Schmerz nicht weg. Das macht den Krieg nicht weniger schrecklich. Und wir alle hätten uns gewünscht, dass dieser Geburtstag nie hätte gefeiert werden müssen, weil längst alle wieder zu Hause wären.
Aber solange dieser Frieden noch nicht da ist, ist diese Gemeinde ein Ort, an dem Menschen sich festhalten, zusammen beten, zusammen weinen und zusammen hoffen.
Es fühlt sich zwiespältig an.
Einerseits feiern wir dankbar, dass die ukrainische Gemeinde in Schwerin seit vier Jahren besteht. Andererseits beten wir weiter dafür, dass dieser Krieg endet und die Menschen wieder in ihr eigenes Land, zu ihrer Familie und nach Hause zurückkehren können.
Bis dahin können wir vielleicht etwas von ihnen lernen.
Nicht über Krieg.
Sondern über Vertrauen.
Darüber, weiter auf den Felsen zu bauen, auch wenn der Sturm nicht aufhört.
Herzlichen Glückwunsch zu eurem vierten Jubiläum. Möge Gott euch weiter tragen, segnen und gebrauchen. Und möge der Tag bald kommen, an dem Frieden kein Gebet mehr ist, sondern Realität.
P.S. Ach ja… während der Gottesdienst auf Ukrainisch läuft, schaut M nebenbei einfach ein paar Gottesdienste online auf Niederländisch und Englisch. E spricht Russisch, M nicht.
Also sitzt M brav mit Kopfhörern da und hört auch eine Predigt, nur eben eine andere.
Ich kann mir vorstellen, dass die Leute in der ukrainischen Gemeinde beim ersten Mal auch gedacht haben: Was macht dieser fremde Niederländer da mit Kopfhörern?
Tja… jeder hat so seine eigene Art, den Gottesdienst zu verfolgen.



