Kotschaufel

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Vor kurzem fragte mich jemand todernst, ob ich meine Scheiße auch mit einer kleinen Schaufel aus meinem Haus entferne.

Als ich antwortete: “Natürlich nicht”, bekam ich sofort zu hören, dass ich also kein echter Christ sei und mein Leben ändern müsse. Kein Witz.

Seine Argumentation war einfach: Wenn du sagst, dass du Christ bist, dann musst du auch alles tun, was in der Bibel steht. Wenn du das nicht tust, dann solltest du seiner Meinung nach auch schweigen über das, was andere tun oder nicht tun.

Da wurde deutlich, dass es überhaupt nicht wirklich um eine Kotschaufel ging. Das war nur der Einstieg zu seinem eigentlichen Punkt.

Ehrlich gesagt musste ich lachen. Er versuchte, einen Bibeltext zu benutzen, um anschließend seine eigene Sichtweise zu verteidigen. Eine kreative Idee, muss ich sagen. An der Art, wie er es vorbrachte, merkte ich, dass er dieses Gespräch schon öfter geführt hatte. Offenbar kamen die meisten Christen an diesem Punkt nicht weiter, antworteten mit dem bekannten: “Das Alte Testament gilt nicht mehr”, oder gingen einfach weg.

Umso überraschter war er, dass ich stehen blieb. Wir schauten uns gemeinsam ganz ruhig den Text an, auf den er sich bezog.

Und du sollst einen Platz außerhalb des Lagers haben und hinausgehen. Und du sollst eine Schaufel bei deinem Gerät haben; und es soll geschehen, wenn du dich draußen hinsetzt, dass du damit gräbst und deine Ausscheidung wieder zudeckst. (5. Mose 23,13, Elberfelder)

Auf den ersten Blick ist es ein auffälliges Gebot.

Machst du das? Mit einer Schaufel nach draußen gehen?

Wahrscheinlich nicht.

Seine Schlussfolgerung war deshalb logisch: “Siehst du? Diese Gesetze sind veraltet. Wir entscheiden einfach, welche Regeln wir noch befolgen wollen und welche nicht.”

Und ehrlich gesagt verstehe ich diese Reaktion. Denn wenn das stimmen würde, dann wäre die Bibel tatsächlich ein Pick-and-Choose-Buch. Diese Regel gefällt mir, jene nicht, also lassen wir sie einfach weg.

Als ich sagte, dass ich ihm darin recht gab, veränderte sich die Atmosphäre. Denn auch ich glaube nicht, dass wir einfach Teile aus Gottes Wort streichen können.

Wie ist es also wirklich?

Jesus selbst gibt die Antwort.

Im Matthäusevangelium sagt Jesus selbst:

Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eines dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel. (Matthäus 5,17-19, Elberfelder)

Jesus sagt nicht, dass das Gesetz verschwindet. Im Gegenteil. Er erfüllt es und zeigt, was Gottes eigentliche Absicht dahinter ist. Nicht einmal ein Jota oder ein Strichlein darf einfach verschwinden. Gott verändert sich nicht. Wenn Er also ein Gebot gibt, dann tut Er das niemals ohne Grund.

Also… die Kotschaufel?

Der Zusammenhang hilft uns sehr: die Israeliten in der Wüste.

Israel lebte in einem Lager mitten in der Wüste. Keine Kanalisation. Keine Toiletten. Ohne klare Regeln hätten sich Krankheiten sehr schnell ausbreiten können.

Der Kern dieses Gesetzes ist deshalb überhaupt nicht: “Benutze immer eine Schaufel.”

Der Kern ist: Kümmere dich gut um dich selbst. Verhindere Krankheiten. Schütze das Leben, das Gott dir gegeben hat.

Warum brauchten die Israeliten solche konkreten, manchmal fast übertrieben detaillierten Gesetze, während wir heute die dahinterliegenden Prinzipien oft ganz selbstverständlich verstehen?

Warum musste Gott zum Beispiel vorschreiben, dass Menschen ihre Ausscheidungen begraben sollten? War das nicht einfach logisch?

Die Antwort liegt nicht darin, dass die Israeliten weniger intelligent waren oder keinen gesunden Menschenverstand hatten. Es geht um etwas viel Tieferes: Die Art und Weise, wie der Heilige Geist in Menschen wirkte, war im Alten Testament völlig(!) anders als nach dem Kommen Christi. Pfingsten hatte noch nicht stattgefunden.

Nach Pfingsten sehen wir diese neue Wirklichkeit:

Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. (Johannes 16,8, Elberfelder)

Und Paulus schreibt:

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? (1. Korinther 6,19, Elberfelder)

Das ist der große Unterschied zum Alten Testament. Der Heilige Geist war auch damals schon da, aber mit dem Kommen Christi und Pfingsten geschah etwas Neues: Gottes Geist wohnt jetzt dauerhaft in jedem Gläubigen. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Ein Christ lebt also nicht nur mit Regeln, die von außen kommen, sondern mit Gottes Geist, der von innen wirkt. Der Heilige Geist überführt uns von Sünde, lehrt uns, Gottes Willen zu verstehen, und öffnet unsere Augen dafür, was richtig und falsch ist.

Ohne dieses Wirken des Heiligen Geistes sehen wir Dinge oft nicht so, wie Gott sie sieht. Dann brauchen wir klare Vorschriften von außen, die zeigen, was gut und was falsch ist. Genau deshalb gab Gott Israel solche konkreten Gesetze, einschließlich dieser Kotschaufel.

Mit dem Kommen Christi und der Innewohnung des Heiligen Geistes verändert sich die Situation grundlegend. Das Gesetz steht nicht mehr nur auf Steintafeln außerhalb von uns, sondern Gott schreibt Seinen Willen in die Herzen Seiner Kinder.

Nicht weniger Gehorsam, sondern ein tieferer Gehorsam.
Nicht nur wissen, was Gott sagt, sondern auch lernen zu verstehen, warum Er es sagt.

Mehr als nur praktische Regeln

Heute müssen wir keine kleinen Löcher mehr graben, aber die Absicht dieses Gesetzes ist immer noch dieselbe: Kümmere dich um den Körper, den Gott dir gegeben hat. Es geht nicht nur um Hygiene, sondern auch um Ernährung, Bewegung, Ruhe und alles, was Einfluss auf Körper und Geist hat.

Genau das tut Jesus immer wieder. Er nimmt das Gesetz nicht weg, sondern führt es tiefer.

Die Israeliten konnten Gottes Gesetz niemals vollkommen halten. Deshalb kam Christus. Er erfüllte das Gesetz vollständig. Dadurch werden Gläubige nicht nach ihrer eigenen Vollkommenheit beurteilt, sondern nach Seiner vollkommenen Gerechtigkeit.

Die alten Gesetze sind also nicht wertlos geworden. Sie weisen weiterhin auf Gottes Charakter und Seine Absicht hin. Oft geht diese Absicht sogar weit über den Buchstaben des Gesetzes hinaus.

Auch bei einer Kotschaufel.

Und genau dort begann unser Gespräch erst richtig.

Denn wenn es am Ende nicht mehr um die Schaufel selbst geht, sondern um die Absicht dahinter, entsteht automatisch die nächste Frage:

Wie halte ich mich heute eigentlich sauber?

Nicht nur nach einem Toilettengang, sondern auch geistlich. In meinen Gedanken.

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