FKK, die Bibel und Kultur
Heute habe ich mit jemandem gesprochen, der folgende Frage hatte:
Lehnt Jesus Nacktheit/Nudismus ab?
Schau, das ist eine interessante Frage! Und die Person, die gefragt hat, war überrascht, dass ich sie interessant fand. Denn meistens (so seine Erfahrung) reagieren Christen auf diese Frage eher abweisend oder schauen einen komisch an.
Ich aber nicht, also schauen wir uns diese spannende Frage mal genauer an. Mit einer kleinen Einschränkung: Es geht nicht darum, was der Fragesteller „richtig“ findet, es geht nicht darum, was ich „richtig“ finde, sondern darum, was die Bibel zu dieser Frage sagt. Meine Gedanken über richtig, falsch, Geschmack oder Geschmacklosigkeit sind dabei nicht relevant – und seine auch nicht.
Und für euch als Leser: Schauen wir uns zunächst mal an, wie hier in diesem Teil Deutschlands zum Thema Nacktheit/Nudismus eingestellt wird:
Die Freikörperkultur (FKK), also die freie Körperkultur, war besonders beliebt in Ostdeutschland (der DDR). Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich FKK zu einer weit akzeptierten und organisierten Form der Nackterholung. In der DDR stand FKK für Freiheit, Gleichheit und Verbundenheit mit der Natur – Werte, die gerade in einem streng kontrollierten Staat ein Gefühl von persönlichem Freiraum vermittelten.

Nackt sonnen oder schwimmen war nicht nur erlaubt, sondern auch gesellschaftlich akzeptiert – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Körperform. FKK-Strände, -Campingplätze und -Vereine gab es zahlreich und sie waren gut besucht. Bis heute lebt diese Kultur weiter, besonders an der Ostseeküste und in den Seenregionen im Osten Deutschlands.
Kurz gesagt: FKK/Nudismus war in diesem Teil Deutschlands ein „Ding“ – und das ist es immer noch. Wir haben schon mehrfach erlebt, dass wir an einem See sitzen, jemand kommt mit dem Fahrrad vorbei, springt völlig nackt ins Wasser und fährt danach weiter. Das ist in der Kultur, in der wir jetzt leben, ganz normal. Aber… in der Kultur, in der wir vorher lebten (Polen), undenkbar! Deshalb schauen wir uns jetzt an, was die Bibel sagt (denn die ändert sich nicht), und nicht, was „unsere“ Kultur uns beigebracht hat.
Damit kommen wir zurück zur Frage, was Jesus dazu sagt. Dabei sehen wir Folgendes: Die Bibel spricht nicht direkt über Nudismus (also die Praxis sozialer oder gemeinschaftlicher Nacktheit), enthält aber verschiedene Stellen, die Nacktheit, Bescheidenheit und Kleidung thematisieren. Und… was sagt diese Bibel eigentlich?
Obwohl Mann und Frau beide nackt waren, störte sie das nicht, denn sie schämten sich nicht voreinander. (1. Mose 2,25)
Also, im Prinzip gab es vor dem Sündenfall – Apfel, Baum, Schlange – nichts(!) falsch an dem, was wir heute Nudismus nennen. Gott ändert sich nicht, also hat sich seine Sicht damals nicht geändert. Aber etwas anderes hat sich verändert: wir. Wir, Adam und Eva, haben die Sünde in die Welt gebracht, und damit kommen wir zu folgendem:
Als sie das getan hatten, merkten sie, dass sie nackt waren, und sie schämten sich. Aus Feigenblättern machten sie sich Schürzen und banden sie um die Hüften. (1. Mose 3,7)
Zur Wiederholung: Gott hat sich nicht verändert, seine Haltung zum Nacktsein hat sich nicht verändert, aber wir haben uns verändert. Und wie wir das sehen, was wir davon halten, welche Gefühle wir damit verbinden – das ist jetzt plötzlich eine ganz andere Frage als vor „dem Apfel“. Und dann stoßen wir auf Bibelstellen wie diese:
Aber passt auf, dass eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Ärgernis wird. (1. Korinther 8,9)
Okay… dann sieht man also, dass „nackt herumlaufen“ an sich keine Sünde ist (du stehst doch auch nackt unter der Dusche, oder?), aber wenn diese Freiheit vom Nacktsein/Nudismus für die Schwachen ein Ärgernis wird, dann haben wir ein Problem. Denn anderen Anstoß zu geben, das will Gott nicht, und das ist dann eine Sünde.
Schauen wir uns noch einen Vers dazu an:
Lasst uns also nicht mehr übereinander urteilen, sondern bedenkt lieber: Dass niemand einem anderen Bruder zum Anstoß oder Hindernis wird, sodass er nicht sündigt. (Römer 14,13)
Also, über Nudismus habe ich kein Urteil, denn an sich ist das keine Sünde. Aber wenn es einem anderen Bruder zum Anstoß oder Hindernis wird, dann wird aus genau diesem Verhalten plötzlich ein Problem. Beispiel?
Stell dir vor, du gehst in (nenn mal ein Land) Ägypten an den Strand, ziehst dort alle deine Klamotten aus und fängst an zu spielen… Was denkst du, wie die Menschen in Ägypten darauf reagieren? Richtig, in ihrer Kultur würden sie richtig sauer werden, und dann haben wir ein Problem – weil dein Verhalten sie erzürnt und kein Frieden mehr möglich ist. Und das ist eine Sünde von deiner Seite:
„Lebe, wenn möglich und soweit es von dir abhängt, in Frieden mit allen Menschen.“ (Römer 12,18)
Und wenn du als Nudist am Strand in Ägypten herumläufst, dann ist dieser Frieden… weg. Und du bist der Grund dafür. Du sündigst dann nicht durch den Nudismus an sich, sondern dadurch, dass du die Wut provozierst, die du – wenn du ein bisschen nachdenkst – vorhersehen hättest können. Und das ist dann wirklich ein Problem.
Machst du aber dasselbe hier, wo wir jetzt wohnen, löst das keine Wut aus, und dein Verhalten ist kein Problem. Siehst du den Unterschied? Wie meine Oma immer sagte: „Ein Fahrrad hat zwei Räder, aber nicht alles mit zwei Rädern ist ein Fahrrad.“ 🙂
Noch ein Beispiel?
Denn alles, was in der Welt ist – selbstsüchtige Begierde, neidische Habsucht, Prahlerei –, das alles stammt nicht vom Vater, sondern aus der Welt. (1. Johannes 2,16)
Vor „dem Apfel“ gab es keine selbstsüchtige Begierde, keinen neidischen Neid, keine Prahlerei. Also gab es das ganze Thema „Lust“ auch nicht. Sollen wir das Elefant im Raum einfach beim Namen nennen?
Aber ich sage euch: Wer eine Frau mit begehrlichen Augen ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. (Matthäus 5,28)
Und dazu passend:
Wer aber einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Fall bringt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde. Wehe der Welt wegen der Versuchungen zum Sünde! Denn Versuchungen müssen kommen, aber wehe dem Menschen, durch den die Versuchung kommt. (Matthäus 18,6-7)
Und damit kommen wir leider zum nächsten Punkt: Nach dem „Apfel“ ist Lust definitiv ein Problem. Klar, was der andere denkt und welche Gedanken er hat, ist seine eigene Sache und Verantwortung, aber… wenn wir wissen, dass wir durch „die Welt voller Versuchungen“ jemanden „zum Fall bringen“ können, dann sind wir dafür auch wirklich verantwortlich – und zwar richtig: „es wäre besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde“. Wow…
Und dann finden wir in der Bibel auch solche Verse, die genauso für Männer wie für Frauen gelten:
Ich möchte auch, dass die Frauen sich würdevoll, schlicht und zurückhaltend kleiden. Sie sollen nicht durch auffällige Frisuren, teure Kleidung, Gold oder Perlen auffallen, sondern durch gute Werke, wie es sich für Frauen gehört, die Gott ehren. (1. Timotheus 2,9-10)
Und dieses Wort gilt nicht nur, wenn du Kleidung trägst, sondern auch, wenn du keine anhast. „Schau mich mal an, wie ich prahle“ – das ist ein Problem. Denn dann geht es nur noch um mich, mich, mich, und nicht um den anderen. Wenn du das machst, wird es schnell Egoismus oder Schlimmeres, und dann haben wir ein Problem. Ob du nun deine Badehose an hast oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Und das ist nicht nur ein Problem, sondern eigentlich auch etwas sehr Trauriges, das mich tief im Innern traurig macht. Und hier kommt’s:
Gott hat die Welt so schön gemacht, Er hat Adam und Eva wunderbar geschaffen, die Welt war damals perfekt – also gab es auch noch keinen Körper, der durch Alter schwindet. Der Mensch war perfekt! Und Lust… und all die Probleme, die dadurch kommen… das gab es damals auch noch nicht. Und das haben wir, durch das Essen von diesem „Apfel“, alles kaputt gemacht… so traurig. Wie schön war das ohne den ganzen Ärger… und jetzt? #schnief
Das Fazit ist: Nudismus wird in der Bibel nicht ausdrücklich verboten, im Paradies war es völlig okay, aber wir müssen heute, in dieser Welt, die nicht mehr perfekt ist, sehr vorsichtig sein, dass wir niemanden zum „Straucheln“ bringen – und auch uns selbst nicht. Denn Sünde steckt mittlerweile in jedem Menschen, auch in dir und mir… also auch Lust und Egoismus.
1 Korinther 8,9: „Pas auf, dass eure Freiheit (zum Beispiel nackt am Strand herumzulaufen) für die Schwachen im Glauben (und auch für dich selbst, der du auch schwach bist und einfach Mensch bist) kein Ärgernis wird.“
Alles in allem war es ein schönes Gespräch und eine gute Übung, auch für mich selbst, ein Thema zu betrachten, ohne meine Kultur oder meinen Geschmack über die biblische Wahrheit zu stellen.
(PS: Nein, du wirst mich nicht nackt am Strand Badminton spielen sehen… woehahaha. Nicht mein Ding. #lol)

