Ist der Mensch gut oder böse? Was die Bibel wirklich sagt. Jesus als „Durchsichtfilter“
Ich erhalte regelmäßig Fragen wie diese:
„Ich habe irgendwo gelesen, dass Gott den Menschen als Sünder sieht. Das passt überhaupt nicht zu meiner Sicht auf Menschen. Wie stimmt das, denn ich glaube auch nicht, dass Gott so ist.“
Kurze Antwort:
Nach der Bibel waren Menschen ursprünglich gut, aber durch die Sünde hat sich das verändert. Wer jedoch auf Jesus vertraut, wird von Gott nicht mehr als jemand mit Fehlern gesehen, sondern als jemand, der vollständig wiederhergestellt und wirklich gut ist.
Dies ist die kurze Antwort, aber das vollständige Bild ist VIEL reicher. Lassen Sie uns Schritt für Schritt erklären, was die Bibel sagt, warum Halbwahrheiten irreführend sind und was es bedeutet, dass Jesus als „Durchsichtfilter“ für uns dient.
Bevor wir tiefer einsteigen, ist es wichtig, etwas klarzustellen, das bei solchen Fragen und Antworten oft schiefläuft:
Nur zu sagen, dass der Mensch böse ist, oder nur zu sagen, dass der Mensch gut ist, ist jeweils eine Halbwahrheit. Und eine Halbwahrheit ist keine Wahrheit; sie ist irreführend.
- Wenn jemand sagt: „Alle Menschen sind Sünder“ und dabei stehen bleibt, übersieht er die Wiederherstellung, die Gott anbietet.
- Wenn jemand sagt: „Alle Menschen sind gut“ und dabei stehen bleibt, leugnet er die Realität der Welt und des Menschen.
Um die volle Wahrheit zu verstehen, müssen sowohl der Fragende als auch der Antwortende bereit sein, die ganze Geschichte zu hören und aktiv zu suchen. Nur dann kann die richtige Antwort verstanden werden. Auf halbem Weg aufzuhören – sei es beim Antworten oder beim Zuhören – funktioniert nicht.
1. Der Mensch wurde ursprünglich gut geschaffen
Die Bibel beginnt positiv: Der Mensch ist nicht böse, sondern gut.
„Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1,31, ELB)
Gott schuf den Menschen mit Wert, Zweck und Schönheit, um in Harmonie mit Ihm selbst, mit anderen und mit der Welt zu leben. Dies zeigt, dass die Vorstellung, der Mensch sei „von Natur aus böse“, eine Halbwahrheit ist; die ganze Geschichte beginnt mit Güte.
2. Die Welt und der Mensch funktionieren leider nicht perfekt
Schauen Sie sich um: Menschen leiden, Beziehungen zerbrechen, Konflikte entstehen, und die Gesellschaft funktioniert nicht immer gerecht oder gut. Jeder merkt, dass die Welt nicht perfekt ist. Das zu leugnen… ich würde es gerne, aber es geht nicht. Die Welt ist nicht perfekt, vielleicht sogar das Gegenteil von perfekt. Etwas mit Adam, Eva und einem Apfel – oder war es eine Banane? (Wir wissen nicht, welche Frucht es war…)
In der Bibel wird dies als „Gebrochenheit“ bezeichnet. Es klingt vielleicht theologis… aber Sie erkennen es sofort: Die Welt und die Menschheit funktionieren nicht mehr so, wie Gott es vorgesehen hat. Der Zweck des Lebens und der Welt wird nicht vollständig erreicht. Die Bibel beschreibt es so:
„Da ist niemand gerecht, auch nicht einer; da ist niemand, der verständig ist, da ist niemand, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie sind allesamt unbrauchbar geworden; da ist niemand, der Gutes tut, auch nicht einer.“ (Römer 3,10–12, ELB)
Etwas weiter in diesem Kapitel wird es noch einmal bestätigt:
„Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes.“ (Römer 3,23, ELB)
Beachten Sie: Sünde zu benennen ist eine Diagnose. Es ist wie ein Arzt, der eine Krankheit feststellt: Sie werden nicht verurteilt, weil die Krankheit existiert, aber sie zeigt, dass ein Problem vorliegt, das Aufmerksamkeit braucht. Diese „Krankheit“ ist da, und wenn man sich umsieht, sieht man sie überall. Eine Zeitung aufschlagen, und das Elend begegnet Ihnen. Leider.
3. Was bedeutet „Sünde“ genau?
Im Alten Testament wird Sünde mit dem hebräischen Wort חטא (chet) bezeichnet, im Neuen Testament mit dem griechischen Wort ἁμαρτία (hamartia). Beide bedeuten wörtlich:
„das Ziel verfehlen“
Vergleichen Sie es mit einem Bogenschützen, der das Ziel verfehlt: Es geht nicht nur um einen kleinen Fehler, sondern darum, dass er sein Ziel nicht trifft. So ist es auch beim Menschen: Sünde bedeutet, dass wir das Leben, wie Gott es vorgesehen hat, verfehlen, wodurch unsere Beziehung zu Ihm gestört wird.
- Sünde betrifft den Zustand des Menschen, nicht nur einzelne Handlungen.
- Niemand kann (leider) von sich aus vollständig gut leben, wie Gott es vorgesehen hat.
- Jeder braucht Hilfe, und genau hier beginnt Gottes Wiederherstellung.
4. Gott bietet Wiederherstellung durch Christus
Gott lässt uns jedoch nicht in dieser Situation. Im Gegenteil, Er bietet Wiederherstellung durch Jesus Christus an. Jesus nimmt die Schuld der Menschheit auf sich, damit Beziehungswiederherstellung möglich wird:
„Gott aber beweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8, ELB)
Selbst in unserer Gebrochenheit ist Gottes Initiative da: nicht um zu verurteilen, sondern um zu retten.
5. Wer glaubt, wird von Gott anders gesehen
Wenn jemand Vertrauen in Christus setzt, sieht Gott diese Person nicht länger als Sünder, sondern als wiederhergestellt und gerechtfertigt:
„Darum, wenn jemand in Christus ist, ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.“ (2. Korinther 5,17, ELB)
„Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2. Korinther 5,21, ELB)
Durch Christus wird der Mensch als vollkommen und gut gesehen, nicht weil er selbst perfekt ist, sondern weil Christi Vollkommenheit auf ihn angerechnet wird.
Ich vergleiche es manchmal damit, dass Christus eine Art „Durchsichtfilter“ ist.
Wenn Gott uns direkt betrachten würde, sähe Er unsere Gebrochenheit, unsere Mängel, alles, was nicht mehr Seinem ursprünglichen Plan entspricht. Das ist kein angenehmes Bild.
Aber weil Jesus eingreift, sieht Gott uns durch Jesus hindurch.

Und was sieht Er dann? Nicht unsere Flecken, Fehler oder Mängel, sondern den vollkommenen Charakter Christi.
Weil Jesus ohne Sünde und vollkommen ist, sieht Gott uns jetzt ebenfalls als ohne Sünde und vollkommen. Genau wie Er uns am Anfang geschaffen hat.
- Gott sieht den Gläubigen nicht mehr als gebrochen und unvollständig.
- Gott sieht ihn durch Christus: gereinigt, gerecht, vollkommen.
- Nicht weil wir das selbst sind, sondern weil Christus’ Vollkommenheit uns zugerechnet wird.
Dies sehen wir auch deutlich in der Bibel. Paulus erklärt, dass das, was wir waren (mit all unseren Fehlern und unserer Gebrochenheit), „verborgen“ für Gott ist – nicht, weil Gott es nicht sehen will, sondern weil Jesus dazwischen steht. Gott sieht Christus, der „keine Sünde kannte“, und deshalb sieht Er uns, wie Christus ist: sauber, rein und makellos.
„Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“ (Kolosser 3,3, ELB)
„Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2. Korinther 5,21, ELB)
6. Die Bibel ist auch ehrlich über die andere Seite
Wenn jemand nicht glaubt, wer Christus ist und was Er für uns getan hat, dann steht Jesus nicht als „Durchsichtfilter“ zwischen dieser Person und Gott. Dieser schützende, deckende Filter gilt dann nicht. Gott sieht diese Person dann, wie sie in dieser gebrochenen Welt wirklich ist: mit Sünde, Mängeln und Schuld.
Dann entsteht ein ernsthaftes Problem. Nicht, weil Gott streng ist, sondern weil Er heilig und vollkommen ist. Sein Himmel ist vollkommen. Dort ist kein Platz für Sünde, Ungerechtigkeit oder den kleinsten Makel. Er schützt Seinen Himmel zu Recht, denn wenn Er auch nur einen einzigen Fleck zuließe, käme dasselbe Elend, derselbe Schmerz und dieselbe Gebrochenheit, die wir jetzt auf der Erde sehen, dort hinein. Gott kann das in Seiner Liebe und Gerechtigkeit einfach nicht zulassen.
Und seien wir ehrlich: Würden Sie es angenehm finden, wenn der Himmel genauso chaotisch und voller Elend wäre wie die Erde jetzt? Natürlich nicht. Wir sehnen uns nach einem Himmel ohne all den Schmerz, die Trauer und Gebrochenheit, die wir hier auf der Erde erleben. Und genau deshalb ist das Evangelium so gute Nachricht: Es bietet einen Weg in diesen vollkommenen Himmel durch den „Durchsichtfilter“, der Christus ist.
Und genau hier wird klar, warum das Evangelium „gute Nachricht“ ist.
Gott überlässt uns nicht unserem Schicksal. Er verlangt nicht, dass wir uns selbst reinigen, denn das können wir nicht. Stattdessen hat Gott selbst die Lösung gegeben: Jesus Christus, der als vollkommenes „Durchsichtfilter“ zwischen Ihm und uns steht. Durch Christus sieht Gott unsere Sünden nicht, sondern die Vollkommenheit Jesu.
Und alles, was wir tun müssen, um unter diesen Schutz zu fallen, ist zu glauben, wer Christus ist und was Er für uns getan hat.
- Keine zusätzlichen Werke.
- Keine Leistung.
- Keine religiöse Leiter.
- Nur Glauben. Das ist das Wesen der Gnade: nichts mehr, nichts weniger.
7. Zusammenfassung
- Halbwahrheiten sind irreführend: Nur zu sagen, dass der Mensch böse oder gut ist, gibt kein vollständiges Bild.
- Ursprünglich gut: Gott schuf den Menschen mit Wert und Zweck (1. Mose 1,31).
- Welt und Mensch funktionieren nicht mehr perfekt: alle verfehlen das Ziel, wie Gott es vorgesehen hat (Römer 3,10–12, 23).
- Sünde = das Ziel verfehlen: eine fundamentale Störung der Beziehung zu Gott.
- Diagnose: Das Benennen der Sünde zeigt ein Problem, wie ein Arzt eine Krankheit diagnostiziert.
- Wiederherstellung ist durch Christus möglich: Jesus steht als vollkommenes „Durchsichtfilter“ zwischen Gott und uns, sodass Gott uns nicht sieht, wie wir jetzt sind, sondern wie Er uns vorgesehen hat.
- Problem ohne Christus: Wer nicht glaubt, steht ohne diese Deckung vor Gott und wird gesehen, wie er wirklich ist – mit Gebrochenheit und Sünde. Dies ist problematisch, da Gott vollkommen ist und Sein Himmel keinen Makel oder Sünde zulassen kann.
- Neue Sicht durch Glauben: Wer glaubt, wird von Gott als erneuert und gerechtfertigt gesehen (2. Korinther 5,17, 21). Durch Christus sehen wir einen Himmel ohne Schmerz und Elend, genau wie Gott es vorgesehen hat.
- Einsatz erforderlich: Sowohl Fragender als auch Antwortender müssen bereit sein, die ganze Geschichte zu hören und zu verstehen, sonst bleibt man bei Halbwahrheiten stecken.
So erkennt die Bibel ehrlich die Realität der Welt und des Menschen an, bietet aber gleichzeitig Hoffnung: Sünde ist nicht das letzte Wort; Vergebung und Wiederherstellung durch Christus schon.

