„Zuhause“ ein komplizierter Begriff
Für einen Missionar ist „Zuhause“ ein komplizierter Begriff. Man ist an einem bestimmten Ort geboren und ist wahrscheinlich mehrmals umgezogen, im Heimatland und im Ausland. Überall, wo man hinkommt, fängt man wieder von vorne an. Und während man oft denkt, dass die wichtigen Menschen bleiben, selbst wenn man geht, ist die Realität oft, dass sie doch verschwinden. Die eigene Lebenswelt hat sich so stark verändert, dass man einander nicht mehr automatisch über den Weg läuft.

Um darüber bei der Aufatmen-Freizeit ins Gespräch zu kommen, haben wir die Frauen gebeten, 3 Stecknadeln in die Weltkarte zu stecken:
1. Wo kommst du her?
2. Wo wohnst / arbeitest du jetzt?
3. Wo fühlst du dich zu Hause?
Dabei fielen einige Dinge auf: Die Stecknadeln unten im Ozean oberhalb der Antarktis. Diese gehören zu Missionaren, die sich nirgendwo mehr vollständig zu Hause fühlen, weil sie so oft von vorne angefangen haben. Das Gefühl von „Zuhause“ ist bei ihnen nicht mehr an einen Ort gekoppelt, sondern an Personen. Ehepartner und Familie sind zu „Zuhause“ geworden.
Bei anderen, die jahrzehntelang an einem bestimmten Ort gearbeitet haben und nun ins „eigene“ Land zurückgekehrt sind, fiel auf, dass sie ihre Nadel bei „zu Hause fühlen“ in das Einsatzland gesteckt hatten, obwohl sie nun wieder „zu Hause“ wohnten. Nach so vielen Jahren in einer anderen Kultur zu leben, ist gar nicht so einfach. Du hast dich verändert, und „Zuhause“ hat sich ebenfalls verändert.
Jemand erzählte, dass sie die Menschen um sich herum nicht mehr verstand, weil dort, wo sie jetzt wohnt, die Sprache so ganz anders ist, als sie es gewohnt ist. Hinzu kommt, dass sie von den Menschen um sie herum nicht verstanden wird. Wenn man nicht selbst für mehr als ein Jahr im Ausland gelebt und gearbeitet hat, ist es auch sehr schwer zu verstehen, was jemand durchmacht. Das gesamte Denken hat sich verändert. Man ist an andere Bräuche gewöhnt. Normal ist nicht mehr normal. Normal ist etwas, das einem beigebracht wurde, zu Hause und in der Kultur, in der man aufgewachsen ist. Dadurch wird das eigene Denken enorm verändert und erweitert. Man fängt an, anders auf Menschen, auf Kulturen, auf Gewohnheiten und auf Traditionen zu blicken. Und überall, wo man gewesen ist, nimmt man das Schönste mit zurück.
Und da sitzt man nun. Mit seiner eigenen Mischung aus Kulturen, die einem so wertvoll sind, zwischen Menschen, die das nicht verstehen (können) und nicht sehen (können).
Auf der Freizeit, mit Frauen, die sich durch dieselben Fragen gekämpft haben und es immer noch tun, die auch keine Antworten haben, gibt es unglaublich viel Wiedererkennung. Und plötzlich muss man nicht mehr erklären, warum man sich so fühlt. Jede erkennt es. Jede kennt es.
Was für eine Erleichterung – ich bin nicht verrückt.

