Verbessere die Welt, fange bei … an
Warum unternimmt Gott nichts gegen all dieses Leid in der Welt?
Diese Frage wurde mir diese Woche wieder in einem Gespräch gestellt. Es ist eine Frage, die in den Gesprächen, die ich mit anderen führe, ziemlich häufig auftaucht. Manchmal aus Wut, manchmal aus Trauer, manchmal aus Hilflosigkeit. Und ganz ehrlich: Krieg, Ungerechtigkeit, Armut, Missbrauch, Einsamkeit, es häuft sich alles an, und manchmal scheint es, als würde niemand eingreifen.
Meine Antwort war kein theologischer Vortrag, sondern eine Gegenfrage.
Was würde passieren, wenn wir als Menschheit aufhörten, allen und allem – auch Gott – die Schuld an diesem Leid zu geben?
Was, wenn wir aufhörten zu sagen, dass „der andere“ nichts tut?
Was, wenn wir nicht länger vor unserer eigenen Verantwortung weglaufen?
Was, wenn wir ehrlich den Konsequenzen dessen ins Auge sehen, was wir einander antun?
Und was, wenn wir selbst alles daransetzen, dieses Leid zu stoppen? Nicht verstecken, nicht weiterreichen, sondern selbst handeln.Glaubst du, dass das Leid in der Welt dann nicht weniger würde?
Danach wurde es still. Sehr still.
Denn wenn wir ehrlich sind, kennen wir die Antwort schon. Vieles von dem Leid in dieser Welt ist kein Naturereignis. Es ist menschengemacht. Adam, Eva und ein „Apfel“. Moderne Worte nennen es Entscheidungen, Macht, Egoismus und Wegsehen. Der Kern bleibt derselbe.
Wir, als Menschheit, tun oft viel zu wenig, um das Böse zu stoppen. Wir zeigen lieber mit dem Finger. Wenn nur dieser Politiker etwas täte. Wenn nur die andere Person sich anders verhielte. Wenn nur Gott endlich eingreifen würde. Inzwischen halten wir selbst unsere Hände sauber und unser Gewissen auf Distanz.
Aber Verantwortung funktioniert nicht so. Weder in Beziehungen, noch in Gesellschaften, noch im Glauben. Vielleicht ist die unbequeme Wahrheit, dass Gott uns längst etwas anvertraut hat, um dem Leid entgegenzutreten? Nicht, indem er alles für uns löst, sondern indem er uns aufruft, wer wir sind und was wir tun?
Die Frage ist also nicht, warum Gott nichts tut. Die Frage wird: Was tun wir?
Und wagen wir es, diese Frage wirklich ehrlich zu beantworten?
Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist, und was fordert der HERR von dir als Recht zu üben, Güte zu lieben und demütig mit deinem Gott zu wandeln? (Micha 6,8)

