Wird es im Himmel wirklich so voll werden?

In der Bibel steht ein Abschnitt, den ich ehrlich gesagt noch nie in einer Kirche gehört habe. Irgendwie wird er gemieden, scheint es. Beginnen wir mit diesem Abschnitt:

»Nicht jeder, der zu mir sagt: ›Herr, Herr!‹, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: ›Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan‹? Und dann werde ich ihnen antworten: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!«

Matthäus 7,21-23

Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, verstand ich es kaum. Ich war umgeben von Menschen, die Christen sein wollten, also was sollte ich mit diesem Vers anfangen? Ich sah nicht, wie er jemals relevant wäre, denn die Menschen um mich herum gingen doch auch alle in den Himmel?

Als Kind hatte ich ein Bild vom Himmel als einen überfüllten Ort. Mit vielen Menschen, die Spaß haben. Jemanden zu finden, den du kanntest, schien fast unmöglich, so viele Menschen…

Aber jetzt, wo ich älter werde und immer mehr begreife, wer Gott wirklich ist…

Jetzt… fängt mich die Angst an, dass der Himmel gar nicht voll sein könnte. Sicher, Kirchenräume voll Menschen, die (wie in Matthäus 7 so schön steht) prophetieren, Gottes Name im Einsatz gegen Dämonen und zur Wunderwirkung, Versammlungen, Konzerte randvoll!

Aber von welchem Gott reden wir hier eigentlich? Mehrmals am Tag frage ich: „Wer ist Gott für dich in dieser Zeit?“ Und ich erhalte tatsächlich die vage–sten Antworten. Auch in Kirchengebäuden.

  • Die Kraft, die mich geschaffen hat.
  • Mein Retter!
  • Der Schöpfer! (und dann Stille)
  • Meine Stärke.
  • Er macht alles für mich!

Und dieselbe Frage anders formuliert: „Wer ist Jesus für dich in dieser Zeit?“ und dennoch genau dieselben vagen Antworten. Auch in Kirchengebäuden.

  • Der Sohn Marias
  • Jesus ist Gott (und dann Stille)
  • Meine Stärke (und dann Stille)
  • Ist das nicht die gleiche Frage?
  • Jesus hilft mir immer! (und dann Stille)

All diese Antworten klingen erstmal gut… bis ich tiefer grabe. Ja, Jesus ist Gott, aber es gibt einen Unterschied. (Über den Heiligen Geist sprechen wir besser gar nicht.) Wenn du denkst, Gott ist da für dich, eine magische Kraft, die dir dient, und Jesus nur ebenfalls ein Gott, kannst du prophetieren in Sälen, Lieder über seinen Namen singen, großartige Formulierungen nutzen, sogar Wunder im Namen tun. Aber: Von welchem Gott redest du dann?

Auch auf die Frage: „Warum willst du dich taufen lassen?“ hörte ich zum Teil belanglose Antworten. Und niemand hakte nach: „Was meinst du damit?“ Stattdessen hieß es: „Schön, komm zur Taufe, willkommen in unserer Kirche.“ Dasselbe bei der Bekenntnistaufe und beim Abendmahl. Diese Leute dachten, sie seien im Bund, aber sind sie das wirklich? Haben wir ihnen nichts als falsche Sicherheit verkauft? Waren uns Zahlen wichtiger als Substanz? Ein „Jesus liebt mich, deshalb laß ich mich taufen”, das jagt mir Schauer über den Rücken. Vielleicht erstmal fragen: Wer ist dieser Jesus? Was hat er getan? Warum bist du hier? Wie erlebst du seine Liebe? Das scheint nebensächlich, ist es aber nicht.

Ich habe jahrelang als Tontechniker in Tagungszentren gearbeitet, bei Tausenden von Gottesdiensten. Vor einiger Zeit meinte jemand zu mir: „Da hast du bestimmt viele Wunder gesehen.“

Da wurde ich still… Es ging nicht darum, was ich über Gott gelernt hatte, sondern um Wunder… Und genau darum geht es eben nicht, im Gegenteil!

»Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst Lehrer nach ihren eigenen Begierden suchen, die ihnen in den Ohren kitzeln, und sie werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und hinwenden zu den Fabeln.«

2 Timotheus 4,3-4

Es ging nicht um Gott. Es ging um Wunder, die wir so gern sehen wollen… oops…

»Thomas antwortete: ›Mein Herr und mein Gott!‹ Jesus sagte zu ihm: ›Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Glücklich sind, die nicht sehen und doch glauben.‹«

Johannes 20,28-29

Hatten all jene, die gingen, wirklich eine Ahnung, wer Gott ist? Wirklich? Wie heilig und gerecht er ist? Wenn man über Gericht redet, bricht sprichwörtlich die Panik aus. Nein, wir wollen nicht darüber reden; Gott ist Liebe. Woche für Woche predigt Liebe. Aber eine Predigt über Gottes heiliges Gericht? Selten bis nie. Und wenn mal ein Gerichtstext verwendet wird, heißt es sofort: „Du darfst nicht richten“, und „wir alle sind Sünder“. Dabei spreche *nicht ich* das Urteil aus, das tut die Bibel. Aber darüber reden? Lieber nicht. Stattdessen prophetieren, Wunder sehen und tun, Gottes Namen verwenden in Liedern, die den Kontext sprengen… und davon werde ich sehr, sehr ängstlich. Kirchen voller Menschen, aber wie viele von ihnen werden am Ende hören:

»Ich sage euch: Einem Reichen ist es schwer, in das Reich Gottes zu gelangen. Noch leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr!«

Matthäus 19,24

Das macht mich sehr, sehr furchtsam. Gott ist ein gerechter Gott, keine Sünde darf in seinem Himmel sein. Niemand, der einem falschen Gott vertraute, kommt hinein. Niemand. Nur durch seine Gnade und unseren Glauben an den wahren Jesus Christus. Dann sind unsere Sünden vergeben, und durch Christus’ Opfer betreten wir sündlos den Himmel.

Aber Gott sei Dank ist er auch gnädig, er gibt uns Zeit, um den Menschen zu zeigen, wer er ist. Es gibt so viel zu tun. Ich sehe um mich herum Kirchen voller Menschen, die keine Ahnung haben, wer er ist, und glauben, sie wüssten es. Das wird später kein angenehmes Gespräch mit ihm sein…

Warum hören wir Matthäus 7,21-23 nicht mehr in unseren Kirchen? Glauben wir wirklich, jeder, der dort sitzt, mitliest, prophetisiert, Wunder tut, kommt in den Himmel? Ich dachte das früher. Aber all das hier… ich glaube es nicht mehr. Gott warnt mit diesem Abschnitt deutlich: Es gibt ein riesiges Problem. Ignoriere es nicht. Es ist lebenswichtig. Für immer.

Komm, mach mit, sonst könnte der Himmel viel weniger voll sein, als wir dachten oder hofften…