Wie bringt man jemanden zu Gott?

Diese Frage bekommen wir regelmäßig gestellt:

Wie bringt ihr Menschen zu Gott?

Spannende Frage! Und die Antwort darauf ist:

Das machen wir nicht.

Punkt. Ende der Geschichte. Die Reaktion ist dann meistens sowas wie: „Was??? Hä??? Wie, was, wo??? Hä???“. Wieso macht ihr das nicht? Ich sehe doch, dass ihr das macht – ihr seid doch sogar Missionare! Wie könnt ihr dann sagen, dass ihr das nicht macht?!”

Dann fangen wir mit folgendem Vers an:

Jesus sagte: „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen.“ (Johannes 14,6)

Mit anderen Worten: Ich kann niemanden zu Gott führen – denn ich bin nicht der Weg. Christus ist der Weg, und nur durch Ihn kann jemand zu Gott kommen.
Wenn ich also überhaupt etwas tun kann, dann ist es, den Menschen zu erzählen, wer Christus ist – und dass Er der Weg zu Gott und zu Seinem Himmel ist (und noch mehr).

Das ist ein grundlegendes Prinzip, das man WIRKLICH gut verstehen muss – denn niemand kommt ohne Christus zu Gott.
Aber damit sind wir noch nicht am Ende …

Nicht einmal Christus kann jemanden aus eigener Kraft zu Gott bringen.

Und auch da ist die Reaktion meistens sowas wie: „Was??? Hä??? Wie, was, wo??? Hä???“.
Wieso kann Er das nicht? Ich sehe doch in der Bibel, dass Er es tut – also wie kannst du sagen, dass Er das nicht kann?!

Und dann kommt diese Erklärung:

Niemand kann von sich aus zu mir kommen. Der Vater, der mich gesandt hat, muss ihn zu mir ziehen. Und wer zu mir kommt, den werde ich am letzten Tag vom Tod auferwecken. (Johannes 6,44)

Mit anderen Worten: Gott muss jemanden zu Christus ziehen (wie dieses Vers so schön sagt), und erst dann kann jemand zu Christus kommen, und erst dann kann Christus ihn auferwecken.

Siehst du die Reihenfolge? Gott bestimmt, nicht du oder ich, nicht einmal Christus. Gott muss jemandem die Augen und Ohren öffnen und ihn zu Christus ziehen. Und wenn Gott das tut, dann wird Christus ihn auferwecken. Das ist eine wunderbare Verheißung!

Vielleicht noch zu kompliziert? Lassen Sie uns das so erklären:

Wenn du eine Herde Schafe hast, haben die Schafe dann den Hirten gewählt oder hat der Hirte die Schafe gewählt?

Die Antwort ist einfach: Der Hirte wählt die Schafe. Und wenn der Hirte einmal die Schafe gewählt hat, lässt er sie nie wieder los.

Mit anderen Worten: Ich (M) kann noch so sehr springen, aber ich kann niemanden zu dieser Herde hinzufügen. Der Hirte bestimmt, wer in die Herde kommt, nicht ich.

Ich kann also sprechen, was ich will, Lieder singen, was ich will, erzählen, was ich will, aber am Ende ist es der Hirte, der bestimmt, nicht ich. Das nächste Vers macht das mehr als deutlich:

Er erbarmt sich über wen er will, und er verstockt wen er will. (Römer 9,18)

Gott bestimmt, über wen er sich erbarmt, wen er zu Christus zieht und dann durch Christus zu Ihm. Das ist die Reihenfolge. Und in diesem ganzen Prozess kommt nirgendwo das „ich“ vor. „Ich“ existiert nicht auf diesem Weg, der zu Gott führt.

Einerseits ist das eine schwierige Erkenntnis. Wir, als Menschen, können NICHTS dazu beitragen. Wir können hoch und tief springen, predigen, was wir wollen, hören, was wir wollen, aber es ist Gott, der bestimmt. Wir können nicht einmal entscheiden, dass wir in Seine Herde kommen wollen. Er bestimmt, wer in Seine Herde kommt.

Andererseits gibt uns das als Christen viel Freiheit. Das „Einzige“, was wir tun müssen(!), ist den Menschen zu sagen, dass Christus der Weg zu Gott ist, und danach… ist es vorbei. Ob jemand hört oder nicht, ob er in diese Herde aufgenommen wird oder nicht, das liegt bei Gott und nicht bei uns. Hört jemand? Lobe Gott! Wenn nicht? Lobe Gott, Er weiß, was das Beste ist, wen Er in Seine Herde haben möchte, und wir vertrauen Ihm auf Seine Zeit.

Das Einzige, was wir noch tun können, nachdem wir jemandem erzählt haben, wer Christus ist, ist zu Gott zu beten, dass Gott barmherzig ist, diese Person in Seine Herde aufnimmt und ihre Ohren, Augen und ihr Herz öffnet. Diese Entscheidung war schon von Gott und bleibt bei Gott.

Wenn du verstehst, dass diese Wahl bei Gott liegt und was Er tut, und dass du nicht Gott bist, dann bringt das sehr viel Ruhe. Was wir tun müssen(!)?

Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen. (Markus 16,15)

Und davor und danach? Es liegt bei Gott. Wie wunderbar, was für eine Ruhe. Das macht auch unsere Arbeit viel ruhiger. Wir müssen also nicht mit viel „Gewalt“ den Menschen etwas erzählen. Kein Fuß in der Tür, keine Flugblätter in die Hand drücken, wenn jemand das nicht will, keine Spannung, nichts. Heute MUSS es nicht passieren. Denn wir können es nicht einmal. Das gibt so viel Raum in Gesprächen! Dann kannst du viel ruhiger deine Geschichte erzählen. Herrlich! Wir erzählen, wer Christus ist, und damit ist es erledigt.

Da wir gerade bei diesem Thema sind, weißt du auch, was die Antwort auf die Frage ist (die wir ebenfalls so oft gestellt bekommen):

Wie bist du zu Gott gekommen?

Und dann warten sie auf eine großartige Geschichte mit Wundern, wie das alles geschehen ist. Aber leider… diese Geschichte kommt nicht. Denn die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach:

Nicht. Ich habe nichts getan. Gott hat alles getan.

Und auch diese Antwort ist natürlich etwas komplizierter, aber sie folgt dem, was ich zuvor erklärt habe:

Gott wollte mich in Seine Herde. Ich habe keine Ahnung, was ich getan habe, um das zu verdienen, aber es war Seine gnädige Wahl. Er hat mich zu Christus gezogen, und weil ich glaube, was Christus für mich getan hat, konnte ich zu Gott kommen. Das Einzige, was ich getan habe, ist, auf Gottes Stimme zu hören, und selbst das war nicht meine eigene Wahl / Verdienst / Arbeit, sondern Gottes Wahl.

Erst wenn du dir das bewusst machst, gibt es dir wirklich viel Demut. Du kannst nichts. Sogar zur Umkehr zu kommen, ohne dass Gott entschieden hat, dass Er das will. Es gibt auch viel Staunen, Respekt, Verwunderung (und mehr) darüber, wie gnädig Gott ist, wenn Er dich für Seine Herde ausgewählt hat. Du hast es nicht verdient… aber trotzdem wollte Er es und tat es. Wow. Das ist wahre Gnade.

Und wenn du das als Missionar verstehst, wird auch deine Arbeit ruhiger. Denn dann ist dein einziger Auftrag das, was in Markus 16,15 steht, und der Rest? Der Rest liegt bei Gott, bleibt bei Gott und es liegt also nicht an dir, oder an deiner Arbeit, was damit passiert.

Und auch dass du also nichts in der Hand hattest und hast… ist eine riesige Gnade.