„Nur zeigen“ ist keine Evangelisation

Vor kurzem habe ich es wieder gehört:

„Ich evangelisiere dadurch, dass Menschen an meinem Leben sehen können, dass ich Christ bin. Ich muss ihnen das Evangelium nicht mit Worten erzählen. Wenn sie neugierig sind, werden sie schon fragen.“

Und das kommt dieser bekannten (und oft diskutierten) Aussage sehr nahe:

„Verkündige das Evangelium jederzeit. Benutze Worte, wenn nötig.“

Das klingt vielleicht demütig und sympathisch. Wenn das aber alles ist, dann ist es absolut keine biblische Evangelisation. Die Bibel macht nämlich sehr deutlich, dass das Evangelium nicht nur durch unser Verhalten sichtbar sein soll, sondern vor allem mit Worten verkündigt werden muss.

Schauen wir einmal, was die Bibel dazu sagt.

Das Evangelium ist eine Botschaft, die tatsächlich gehört werden muss

Das Wort Evangelium bedeutet gute Nachricht. Eine gute Nachricht muss weitergegeben werden, sonst bleibt sie unbekannt. In Römer 10,14-17 erklärt Paulus, wie Menschen zum Glauben kommen.

„Wie werden sie nun den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne einen Prediger?“

Man sieht hier eine klare Linie, die Paulus aufzeigt:

  • Menschen müssen den Herrn anrufen.
  • Dafür müssen sie glauben.
  • Dafür müssen sie hören.
  • Dafür muss jemand predigen / erzählen. Ganz wörtlich.

Vers 17 sagt dann:

„Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.“

Die Bibel sagt also nicht, dass Glaube entsteht, weil Menschen einfach nur ein gutes Beispiel sehen. Glaube kommt dadurch, dass das Wort gehört wird. Wenn jemand nicht tatsächlich spricht, kann jemand anderes auch nichts tatsächlich hören.

Jesus gab einen aktiven Auftrag

In Matthäus 28,19-20 gibt Jesus den Missionsauftrag.

„Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!“

Dieser Auftrag enthält klare Handlungen:

  • Geht.
  • Macht Jünger.
  • Lehrt.

Niemand kann unterrichtet werden ohne Erklärung. Jünger zu machen benötigt Worte. Jesus sagte nicht, dass seine Nachfolger einfach nur ein gutes Beispiel sein sollten. Er gab einen aktiven Missionsauftrag. „Die Menschen können es an meinem Leben sehen“ ist passiv.

Die ersten Christen sprachen tatsächlich über Jesus

In der Apostelgeschichte sehen wir, wie die ersten Gläubigen evangelisierten. In Apostelgeschichte 8 liest der äthiopische Kämmerer die „Schrift“. Philippus reagiert nicht einfach nur freundlich und ist anwesend. Dort steht:

„Philippus aber tat seinen Mund auf und, indem er mit dieser Schriftstelle anfing, verkündigte er ihm das Evangelium von Jesus.“ (Apostelgeschichte 8,35)

Evangelisation bedeutet hier ganz wörtlich, dass Philippus anfing zu sprechen und Jesus erklärte. In Apostelgeschichte 4,20 sagen die Apostel:

„Denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.“

Ihr Zeugnis bestand aus Worten, nicht nur aus sichtbarem Verhalten.

Dieser Punkt wird noch deutlicher, wenn wir über Missionare und Mission nachdenken. Wenn jemand sich Missionar nennt, aber das Evangelium nicht tatsächlich verkündigt, ist diese Person dann wirklich ein Missionar? Das Wort „Missionar“ bedeutet schließlich wörtlich jemand, der ausgesandt wurde, um das Evangelium zu bringen. Ohne Worte wird diese Berufung leer. Es wird problematisch, wenn wir uns selbst einen solchen Titel geben, ohne die eigentliche Aufgabe auszuführen.

Paulus sah das Reden als notwendig an

In 1. Korinther 1,21 steht:

„Denn weil in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu erretten.“

Gott hat entschieden, Menschen durch die Predigt zu retten. Das ist eine gesprochene Botschaft. Paulus sagt sogar in 1. Korinther 9,16:

„Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so ist mir kein Ruhm; denn eine Notwendigkeit liegt mir auf; denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!“

Wenn ein gutes Leben allein ausreichen würde, hätte Paulus nicht dieses starke Empfinden, dass er sprechen muss. Seine Verfolgung entstand gerade dadurch, dass er das Evangelium öffentlich verkündigte.

Ein gutes Leben ist wichtig, aber absolut nicht ausreichend

Die Bibel lehrt eindeutig, dass das Verhalten von Christen wichtig ist. Jesus selbst sagt in Matthäus 5,16:

„So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“

Gute Werke sind wichtig, weil sie Glaubwürdigkeit geben und zeigen, dass der Glaube echt ist. Aber gute Werke erklären nicht automatisch:

  • dass Jesus für die Sünden gestorben ist
  • dass Umkehr notwendig ist
  • dass Glaube notwendig ist

Diese Botschaft muss erklärt werden. Sie muss tatsächlich erzählt werden. Diese Dinge kann man nicht allein durch sein Verhalten „vermitteln“.

Die Vorstellung „sie werden schon fragen, wenn sie interessiert sind“ ist biblisch nicht realistisch

Die Bibel macht deutlich, dass Menschen von Natur aus geistlich blind sind. 2. Korinther 4,4 sagt, dass der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat. Römer 3,11 sagt, dass niemand von sich aus Gott sucht. Deshalb ergriffen die Gläubigen im Neuen Testament die Initiative und sprachen tatsächlich über Jesus. Selbst 1. Petrus 3,15, eine Stelle, die oft benutzt wird, um passive Evangelisation zu rechtfertigen, sagt:

„sondern heiligt den Herrn, den Christus, in euren Herzen. Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“

Auch hier geht es um eine mündliche Antwort. Außerdem steht dieser Vers im Zusammenhang mit Leiden und Widerstand, nicht damit, passiv abzuwarten, bis jemand neugierig wird.


Fazit

Zu zeigen, dass man Christ ist, ist gut und biblisch. Ein Leben voller guter Werke kann Glaubwürdigkeit schaffen und Menschen neugierig machen. Aber wenn das alles ist, dann ist es keine Evangelisation. Die Bibel lehrt durchgehend, dass das Evangelium gehört, verkündigt und erklärt werden muss. Glaube entsteht nicht allein durch Ausstrahlung oder Moral, sondern durch das Hören des Wortes Christi (Römer 10,17).

Das Prinzip, dass Worte wesentlich sind, gilt nicht nur für Missionare. Natürlich hat ein Missionar eine besondere Berufung, aber jeder Christ ist dazu berufen, das Evangelium weiterzugeben. Wer denkt, dass „zeigen“ ausreicht, benutzt das oft als Ausrede, um seine Verantwortung zu vermeiden. Wenn sogar ein Missionar das Evangelium nur zeigen würde, ohne es zu verkündigen, würde der Kern seiner Berufung verloren gehen und er würde die eigentliche Aufgabe eines Missionars nicht mehr erfüllen. Für dich und mich gilt dasselbe: Es geht nicht um Status oder Titel, sondern um die Botschaft von Jesus, die gehört werden muss. Evangelisation ist keine optionale Aktivität; sie ist der Kern unseres Glaubens und unserer Berufung.

Wer wirklich versteht, was Christus für uns getan hat, kann nicht anders, als es von den Dächern zu verkündigen. Sein Opfer, Seine Rettung und Seine Gnade sind zu gewaltig, um sie für sich zu behalten. Wenn wir das Evangelium bewusst verschweigen, müssen wir uns fragen: An welchen Gott (kleines g) glauben wir eigentlich? Ist es der lebendige, rettende Gott der Bibel, oder eine bequeme „Gott“-Version, die uns vor allem ein gutes Gefühl gibt?

Evangelisation ist kein nettes Extra und auch nicht einfach nur ein sympathisches Beispiel; sie ist der natürliche Ausdruck eines Lebens, das von Christus berührt wurde. Wer das Evangelium aktiv weitergibt, erfüllt seine Berufung und zeigt die Kraft und Dringlichkeit des christlichen Glaubens. Ein christliches Leben ohne Worte ist ein Zeugnis, aber Evangelisation ist erst dann vollständig, wenn die Botschaft von Jesus tatsächlich ausgesprochen wird, damit Menschen hören, glauben und gerettet werden können.

„Wer Christus wirklich kennt, kann nicht schweigen; wer das Evangelium für sich behält, sollte sich fragen, ob er Gott und Seine Berufung wirklich verstanden hat.“


Ein Aufruf an Missionare

Vielleicht merkst du, dass deine Arbeit immer mehr aus humanitärer Hilfe und guten Taten besteht und dass Evangelisation im eigentlichen Sinn des Wortes völlig in den Hintergrund geraten ist? Vielleicht trifft dich dieser Gedanke persönlich? Es ist verständlich, dass die Herausforderungen des Dienstes, die Kultur oder persönlicher Druck es schwer machen können, tatsächlich über Jesus zu sprechen. Trotzdem ruft Gott dich zu mehr als nur guten Taten auf. Er ruft dich dazu, Seine Botschaft aktiv weiterzugeben, damit Menschen hören, glauben und gerettet werden können.

Wenn du merkst, dass deine Missionsarbeit immer mehr zu einem humanitären Dienst geworden ist und die Verkündigung des Evangeliums fast verschwunden ist, laden wir dich ein, gemeinsam mit uns zu entdecken, wie du zu der Berufung zurückfinden kannst, die Gott dir gegeben hat. So können Worte und Taten wieder zusammenkommen in echter Evangelisation.