Kriegsende = kein Frieden…

Heute hat mich jemand gefragt, ob ich froh bin, dass der Krieg in der Ukraine (so wie es jetzt aussieht) bald vorbei sein könnte. Ich habe die Frage folgendermaßen beantwortet:

Stell dir vor, jemand bricht bei dir zu Hause ein und besetzt die Hälfte deines Hauses. In dieser Hälfte macht er ein totales Chaos – reißt Wände ein, zerstört die Elektrik und verwüstet alles. Dann zieht er auch noch dort ein. Wow!

In der Hälfte, in der du noch wohnst, schlägt er alle Fenster ein, reißt deine Einfahrt auf, zieht alle Pflanzen aus dem Boden und schneidet mehrmals pro Woche die Stromkabel durch. Ach ja, und er dreht die MUSIK auf volle Lautstärke, sodass du nicht mehr schlafen kannst. Deine Mutter konnte das nicht mehr ertragen und ist in einem Wohnwagen in einem anderen Dorf gezogen.

Nach Jahren voller Ärger (das Wort „Problem“ wäre eine Untertreibung) kommt plötzlich jemand aus Timbuktu daher (keine Ahnung, was der mit deinem Haus zu tun hat, denn du wohnst ja in Deutschland) und entscheidet, dass der Einbrecher einfach in deinem Haus „wohnen“ darf, dass er die gestohlenen Sachen behalten kann – und im Gegenzug dreht er dann wenigstens die Musik etwas leiser. Na, dann ist ja alles gut, oder?

Ach ja, du darfst übrigens in deinem eigenen Haus wohnen bleiben, aber nur, wenn du versprichst, nie wieder die Polizei zu rufen und den Besetzer niemals rauszuwerfen. Fairer Deal, oder? Schließlich macht er ja die Musik leiser.

Stell dir vor… du nimmst dieses Angebot an… Klingt das für dich nach einer friedlichen Lösung, mit der du leben könntest? Würde deine Mutter dann zurückkommen wollen? Klingt das nach Frieden, Manipulation, Erpressung, Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit, Krieg, Sinn, Wahnsinn, ehrlicher Verhandlung…? Wie würdest du es nennen, wenn es um dein eigenes Haus ginge? Und wäre der Besetzer wirklich glücklich mit dieser „Lösung“?

Das Ende des Krieges bedeutet noch lange, lange keinen Frieden… Das Haus ist zerstört, der Besetzer „wohnt“ immer noch neben dir, und ich glaube nicht, dass meine Mutter zurückkommen wollen würde. Und was machen wir dann in einem Jahr mit ihr? Zurückschicken in ihr „sicheres, besetztes, kaputtes Haus ohne Fenster“? Ernsthaft?

Also, was ich davon halte? Ehrlich gesagt, keine Ahnung – aber es klingt für mich alles andere als nach einem friedlichen Plan… Aber so weitermachen ist ja auch keine Option… Was für eine Welt… Also, was denke ich? Keine Ahnung, was ich davon halten soll – ich bin nur froh, dass es nicht mein Haus ist… und hoffe/bete, dass es auch nicht mein Haus wird… Und ich habe Mitleid mit „meiner Mutter“ – denn ich sehe es schon kommen… Zack, zurück ins kaputte Haus, mit dem Besetzer immer noch drin… Es ist Frieden, das hat jemand aus Timbuktu für dich entschieden. Sei dankbar und verschwinde?

Map of Ukraine.