Kälte ist mehr als nur eine Temperatur

Wenn ihr das lest, sind wir in Polen. Wetter hin oder her, Code Orange oder Rot; wenn wir irgendwo sein müssen, dann fahren wir einfach los.

Die Hinfahrt war gut machbar, auch wenn wir hauptsächlich viel Weiß gesehen haben. Schnee, Schnee und noch mehr Schnee. Wir hatten ein paar Staus, einige Unfälle unterwegs und sogar einen Autofahrer, der uns noch kurz von der Straße kegeln wollte. “Es ist glatt, mein Herr – vielleicht eine Idee, das nächste Mal etwas langsamer zu fahren und weiter vorauszuschauen? Das wäre schön.”

Aber gut, wir sind mit nur zwei Stunden Verspätung angekommen.

Der Schnee ist wirklich wunderschön und wir genießen ihn sehr. Aber natürlich sind wir nicht wegen des Schnees hier, denn den haben wir in Schwerin auch.

Wenn man an Schnee denkt, findet man das wahrscheinlich gemütlich, aber wenn man obdachlos ist, ist das eine ganz andere Geschichte. Am kommenden Wochenende werden es nachts -13 Grad. Es ist dann nicht nur kalt, sondern alles wird auch nass. Und stellt euch mal vor: Man hat kein Haus, keine Heizung und es gibt eigentlich keine Unterkunft. Ja, offiziell schon, aber was bringen 25 Plätze für Hunderte Obdachlose? Nichts wird also mehr trocken. Nasse Kleidung im Winter ist wirklich eine schreckliche Kombination.

Zum Glück gibt es Menschen, die Kleidung an die Leute auf der Straße verteilen. Sie kommen mit Kisten voller warmer Sachen an. Die alte Kleidung kommt sofort weg und so hat man wieder etwas an, das trocken und warm ist. Und die leeren Pappkartons? Die werden dankbar angenommen, denn darauf kann man dann wenigstens noch ein bisschen liegen.

Bei einer Tasse Suppe und einem Kaffee gibt es einen Moment für eine kurze Ansprache. Eine Botschaft, dass die wahre Rettung in Christus liegt. Und ja, das bedeutet auch, mit den Dingen im Leben aufzuhören, die einem nicht gut tun. Alkohol und Kälte passen nämlich echt nicht zusammen. So ist der Tag für einen kurzen Augenblick ein kleines bisschen weniger kalt. Es ist eine tolle Initiative, hinter der wir voll und ganz stehen.

Danach hatten wir einen Termin mit ein paar Flüchtlingen, die formell eigentlich keine Flüchtlinge sein dürfen. Die Welt ist manchmal kompliziert.

  • Wenn man aus einem Land kommt, das mit dem Land, in dem man ist, befreundet ist, wird man anerkannt.
  • Aber flieht man aus einem Land (weil man nicht in einen Krieg geschickt werden will) und das eigene Land ist nicht damit befreundet? Dann ist man formell kein Flüchtling und wird von allen Seiten behindert.

Dann sitzt man da in einem fremden Land. Die neue Aufenthaltserlaubnis hätte innerhalb von drei Monaten fertig sein sollen, man hat Arbeit und die Ehefrau auch, aber man hört seit einem Jahr absolut gar nichts. „Wir arbeiten dran“, ist alles, was die Website sagt. Man hat die Verlängerung der Erlaubnis schon längst beantragt (schon vor einem Jahr), aber währenddessen ruft die Bank an, dass sie das Konto sperren werden, weil die Papiere nicht aktuell sind. Zurück ins eigene Land geht nicht, denn dann kommt man direkt ins Gefängnis. Hier bleiben, obwohl man Arbeit und Einkommen hat und alles selbst bezahlt… es ist ein ständiger Kampf.

Man merkt es an allem: Die Welt um uns herum ist momentan kalt. Nicht nur buchstäblich durch die Frostkälte, sondern definitiv auch im übertragenen Sinne.