Göttlich und biblisch egoistisch sein

Jawohl, was für ein Titel! Wie können „göttlich“, „biblisch“ und „egoistisch“ in einem Satz stehen? Das geht doch nicht, oder? Nun, versuchen wir es ein wenig zu erklären:

Menschlicher Egoismus ist gleichbedeutend mit: „Ich, ich, ich – und der Rest kann mir gestohlen bleiben.“ Und die Bibel ist da sehr klar: Das ist falsch.

Macht meine Freude dadurch völlig, dass ihr gleichgesinnt seid, dieselbe Liebe habt, einmütig, eines Sinnes seid, nichts aus Eigennutz noch eitler Ruhmsucht tut, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst.
Philipper 2,2–3 (ELB)

Klar. Menschlicher Egoismus ist falsch, da gibt es nichts zu rütteln. Aber lassen wir uns nun einmal geistig dehnen und schauen, was es heißt, göttlich und biblisch egoistisch zu sein. Was meinen wir damit? Machen wir es deutlich mit diesem Vers:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das große und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Matthäus 22,37–40 (ELB)

Wenn man diesen Vers anschaut, wird sofort klar: Gott muss auf Platz 1 stehen! Und nicht nur ein bisschen auf der Eins, sondern ganz: „mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand“. Dies ist das erste und wichtigste Gebot. Klar, oder? Um also göttlich und biblisch egoistisch zu sein, kannst du niemals auf Platz 1 stehen – da steht Gott schon. Ganz eindeutig.

Wer steht dann auf Platz 2? Schauen wir noch einmal in diesen Vers:

„Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Aber wie willst du wissen, wie du den anderen lieben sollst, wenn du dich selbst gar nicht liebst? Ups… Du musst also dich selbst lieben, um überhaupt zu verstehen, wie du den anderen lieben kannst. Dazu dieser Vers:

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
1. Korinther 3,16 (ELB)

In unserem Alltag sehen wir viele, sehr viele Menschen, die ihren eigenen Körper und Geist behandeln als … ja, als was eigentlich? Manche brennen völlig aus. Ist das ein guter Umgang mit dem Tempel, den Gott dir gegeben hat? Nein, oder? Und wenn du den anderen genauso lieben sollst wie dich selbst – ist es dann okay, den anderen auch „abzubrennen“, weil du dich selbst so behandelst? Nein, natürlich nicht! Das heißt: Um den anderen wirklich mit göttlicher und biblischer Liebe helfen zu können, musst du zuerst göttlich und biblisch gut auf dich selbst achten. Also: Gott auf Platz 1, du auf Platz 2.

Nun… nicht ganz. Schauen wir uns diesen Vers an:

„Darum wird ein Mensch den Vater und die Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Somit sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“
Matthäus 19,5–6 (ELB)

Wenn du also verheiratet bist, steht Gott auf Platz 1, du auf Platz 2a und dein Partner auf Platz 2b. Ist dein Partner dann wegen diesem ‘b’-Platz weniger wert als du? Nun, nein, denn dein Partner stellt sich wiederum selbst auf Platz 2a, stellt dich auf Platz 2b, und da ihr zusammen eins seid, steht ihr nun gemeinsam exakt auf Platz 2. Zusammen. Wunderschön in göttlichem und biblischem Gleichgewicht mit Gott auf Nummer 1. Und alles, was du tust, tust du mit dem Tempel, den Gott dir gegeben hat, für Ihn. Alles.

Und wer kommt dann auf Platz 3? Dazu:

Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, die Leibesfrucht ist ein Lohn.
Psalm 127,3 (ELB)

Und es gibt noch viel, viel mehr Verse, dass deine Kinder also die nächsten auf dieser Leiter sein sollten. Also, noch einmal die göttliche Leiter, wenn wir die Kinder auch auf diese Leiter setzen:

Gott #1, du bist #2a, dein Partner #2b (und umgekehrt), deine Kinder Nummer #3. Es gibt nichts, was dazwischen kommen kann, und es darf auch nichts dazwischen stehen. Aber…

Stell dir vor: Wir setzen Gott zwar auf #1, aber nicht dich auf Nummer #2, sondern die Kinder auf #2? Siehst du, was dann schiefgeht? Deinen eigenen Tempel reißt du dann nieder, und dein Partner, der dir gleich sein muss (!), wo steht der dann? Dann siehst du schon, dass etwas furchtbar schiefläuft und früher oder später knallt es sehr laut. Und warum? Weil du dich entschieden hast, nicht „göttlich, biblisch, egoistisch zu sein“. Das ganze Kartenhaus stürzt mit all dem Elend, das damit einhergeht, ein. Woran lag das dann?

Und wer kommt dann auf dieser Leiter an die Reihe? Schauen wir uns den nächsten Vers an:

Wenn aber jemand für die Seinen, besonders für die Hausgenossen, nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger.
1. Timotheus 5,8 (ELB)

Also: Nach deiner Familie kommt lange nichts. Stell dir vor, du setzt Arbeit, Hobby oder Kollegen auf Platz 3 – der Platz, der eigentlich deiner Familie gehört. Zack – Kartenhaus fällt wieder zusammen. Ups.

Also: Arbeit, Hobby, Kollegen usw. stehen nicht einmal in der Nähe von Platz 4. Vielleicht gehören da eher deine Mitchristen hin? Deine echten Freunde? Aber deine Hobbys usw. stehen weit darunter. Machen wir eine Rechnung: Gott + du + dein Partner + deine Kinder + deine Familie + deine Freunde + deine Mitchristen… das sind schon 7 Plätze auf der Leiter.

Noch ein Gedanke. Früher (ja, so alt bin ich schon) habe ich mal einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. In Kombination mit einer Betriebshilfe-Ausbildung – ein paar Tage Pflaster kleben, Feuer löschen, lustig! Am Ende kam das Examen, und unser Lehrer stellte vorher die Frage:

„Du siehst auf der anderen Straßenseite jemanden liegen, der angefahren wurde. Was tust du?“

Wir wussten es: „Atmung prüfen!“ – Falsch. „Stabile Seitenlage!“ – Falsch. „Puls fühlen?“ – Auch falsch. Hä?

Antwort: Schau zuerst nach links und rechts, ob noch ein Auto kommt. Denn wenn du nicht zuerst auf dich achtest, liegen gleich zwei Menschen auf der Straße. Und wer hilft dann wem?

Ups. Vor lauter Enthusiasmus und mit besten Absichten hatten wir uns selbst vergessen. Nun lagen nicht nur zwei Verletzte da, sondern auch unsere Familie hatte ein Problem, der Arbeitgeber hatte ein Problem, der Autofahrer, der uns übersah, hatte ein Problem – eine Kettenreaktion voller Elend. Warum? Weil wir nicht zuerst auf uns selbst geachtet haben. Ups.

Und wie ist es heute? Haben wir unsere Leiter der Prioritäten richtig gestellt? Oder steht sie völlig verkehrt herum – vielleicht mit besten Absichten, aber mit vielen Opfern? Wer steht bei dir auf Platz 1? Und wer auf Platz 2? Achte gut auf dich selbst, denn um auf andere zu achten, musst du zuerst göttlich, biblisch auf dich selbst achten.

Und das ist manchmal sehr schwer… ja, ja, wir wissen es… Deshalb wollen wir dich heute herausfordern: Sei nicht menschlich egoistisch, sondern göttlich, biblisch egoistisch. Auch wenn der Begriff vielleicht nicht der schönste ist, verstehen wir jetzt, was gemeint ist. Damit wir tun können, was Gott von uns verlangt:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das große und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Matthäus 22,37–40 (ELB)