Für jemand anderen beten?
Heute stellte mir jemand die Frage, wie man am besten für jemand anderen beten kann. Eine gute Frage, denn die Bibel sagt deutlich, dass wir das in der Tat tun sollen;
Jakobus 5:16 „Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung.“

Nur, wie genau? Oder wie nicht? Um es zu erklären, habe ich sie ein paar Zeilen aus dem „Vaterunser“ studieren lassen. Schauen wir uns zuerst den gesamten Abschnitt an:
Unser Vater, der du bist in den Himmeln,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben haben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
(Matthäus 6:9–13)
Dieses Mal (sie hatte nicht viel Zeit, also konnten wir keine komplette Bibelstudie daraus machen) habe ich ihr Folgendes vorgelegt: Können wir, wenn wir diesen Abschnitt lesen, in unserem Gebet für den anderen sagen: „Gott, ich glaube, dass Du das heute tun wirst!“?
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
In einem Gebet für einen anderen zu sagen, dass „Gott etwas tun wird“, oder „dass du glaubst, dass Gott X oder Y heute lösen wird“, ist mit diesem Bibelvers also ein No-Go. Denn wir wissen nicht, was Gottes Wille ist. Wir kennen Seinen Plan nicht.
Wenn du das in einem Gebet für einen anderen tust, bei dem die Person vielleicht sogar anwesend ist, was machst du dann? Dann „verkaufst“ du etwas… was du nicht „verkaufen“ kannst. Und das führt immer zu einem Fehlkauf, einem Reinfall, enttäuschtem Vertrauen… nicht nur in dein Gebet… sondern auch in Gott. Ups… Also: nicht tun.
Ein anderes Beispiel, das wir im Vaterunser sehen, ist dieses:
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen.
Angenommen, die Person, für die du beten möchtest, leidet unter den Folgen von Drogenkonsum und möchte auch nicht damit aufhören. Du könntest dann beten, dass Gott diese Konsequenzen wegnimmt, aber das ist nicht die Lösung. Diese Person hat selbst Sünden begangen (Drogenkonsum), will nicht damit aufhören und trägt nun die Folgen davon. Gott zu bitten, die Konsequenzen für die Sünde dieser Person wegzunehmen, wäre doch seltsam… oder?!
Mit diesem Bibelvers zur Hand ist es also besser zu beten, dass Gott diese Person zu sich zieht, wodurch die Person zur Einsicht kommt und aufhört zu sündigen, wodurch auch die Konsequenzen dieser Sünde aufhören.
Und als Letztes (denn sie musste weiter zu einem nächsten Termin) haben wir uns diesen Teil angesehen:
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Nur Gott kann etwas tun. Nicht du, und auch nicht deine schönen Worte. Nur Er hat die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Das schenkt Ruhe, wenn du für einen anderen betest. Es liegt an Ihm, nicht an dir. Du kannst Gott durch das Gebet bitten, aber unter dem Strich ist es Sein Wille, Seine Kraft, Seine Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen
Und ja, es gibt noch VIEL mehr zu diesem Thema, aber leider war die Zeit begrenzt. Ich schloss mit einem Gebet für sie ab:
Lieber Gott, hier sind wir heute. Heute haben wir wieder mehr von Dir gelernt: dass wir selbst nicht die Macht haben, Du aber schon!
Lass uns demütig sein in unseren Gebeten, weil wir auf Dich und auf das, was Du tust, vertrauen müssen.
Dass wir also keine „Versprechen“ im Gebet machen, die wir nicht einlösen können, da es Dein Wille ist, was geschehen wird.
Gib X Weisheit, wenn sie für andere betet.
Schenke X Deine Liebe, wenn sie das tut, damit sie Menschen Schritt für Schritt näher zu Dir bringen kann.
In Jesu Namen bete ich, Amen!
Und damit stieg X in die Straßenbahn, auf zum nächsten Termin.