Ein kurzer Kaffee, ein voller Tisch: Kulturelle Unterschiede erklärt

In den Niederlanden ist es ganz üblich, dass man bei einem Besuch bei einem Klienten eine Tasse Kaffee bekommt, vielleicht mit einem Keks dazu. Selbst bringt man in der Regel nichts mit, wenn man auf Besuch geht.

Bei unserer Zielgruppe aus Mittel- und Osteuropa läuft das ein „bisschen“ anders.

Ein Besuch, der als kurzer Kaffeemoment gedacht ist, stellt sich schnell als weitaus ausgiebiger heraus. Nicht nur, dass man selbst etwas mitbringt, auch der Tisch des Gastgebers oder der Gastgeberin ist bei der Ankunft bereits reichlich gedeckt. Und das, obwohl es offiziell keine Mahlzeit ist, sondern einfach nur ein kleiner Besuch.

Was man mitbringt, verschwindet nicht mit einem höflichen Dankeschön in der Küche. Im Gegenteil: Alles wird sofort ausgepackt, angeschnitten und auf den Tisch gestellt. Der eigene Beitrag wird augenblicklich Teil des Ganzen.

Genau dasselbe passiert, wenn wir selbst Besuch von Menschen aus dieser Region empfangen. Der Tisch steht oft schon voller Kekse, Obst und anderer Leckereien, und dann bringt ausnahmslos jeder Besucher noch etwas mit. Alles, was mitgebracht wird, kommt sofort dazu. So wächst der Tisch schon bei einem informellen Besuch schnell zu einem wahren Überfluss an Essen heran.

Auch kleine Dinge zählen. Eine Apfelsine wird in Stücke geschnitten und ordentlich auf einem Teller angerichtet. Kekse werden geöffnet und präsentiert. Es gehört sich nicht, etwas ungenutzt in der Küche liegen zu lassen. Was jemand mitbringt, soll sichtbar sein und geteilt werden.

Das muss übrigens keineswegs kompliziert sein. Ein Kuchen ist gut, eine Packung Kekse auch, aber selbst eine Banane oder eine Orange genügen völlig. Es geht nicht um die Menge, sondern um die Geste. Mit leeren Händen anzukommen wird dagegen als unhöflich empfangen.

Kulturelle Unterschiede zeigen sich oft gerade in solchen kleinen, alltäglichen Momenten. Sobald man versteht, wie und warum diese Gewohnheiten existieren, kann man sie unglaublich genießen. Doch ohne dieses Verständnis lauert schnell ein Missverständnis. Etwas gedankenlos in der Küche abzustellen oder gar nichts mitzubringen, kann sonst rasch als unschicklich aufgefasst werden.

Wir genießen das sehr; genau diese kulturellen Unterschiede machen unsere Arbeit so besonders.