Die Pastorentochter und der Flamingo
Ich sprach heute mit der Tochter eines Pastors, die ein Problem hatte.
Ihre Eltern lebten schon seit Jahren getrennt voneinander, ohne formell geschieden zu sein („getrennt von Tisch und Bett“). Die Mutter wollte sich nicht scheiden lassen (sie konnte das biblisch gesehen nicht verantworten), und der Vater fand, dass die Mutter nun doch eine Scheidung beim Gericht beantragen müsse, da er (wenn er diesen Antrag stellen würde) andernfalls aus der Kirche ausgeschlossen würde.
Zuhause waren Dinge vorgefallen, auf die die Tochter den Vater angesprochen hatte (ich erspare die Details…), aber es wurde nicht zugehört. Selbst als Freunde dabei waren, um ihn auf sein sündiges Verhalten hinzuweisen, änderte sich nichts. Schließlich gingen sie damit zur Kirche… aber die tat auch nichts, denn der Pastor „war ein Mann Gottes“, und dem durfte man nicht in den Rücken fallen.
Die Freunde erklärten die Tochter für verrückt und sagten, dass sie (die Tochter) im Unrecht sei. Nun lag es der Tochter schwer im Magen und sie bat om Rat. Tja… was sagt man dann?
War / ist die Tochter verrückt?
Matthäus 18:15-17 (ELB) 15 Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. 16 Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus dem Mund von zwei oder drei Zeugen jede Sache bestätigt werde! 17 Wenn er aber niet auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde! Wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie de Heide und der Zollner.
Was die Tochter getan hat – erst ein Vier-Augen-Gespräch, dann mit Zeugen und danach zur Kirche zu gehen – ist laut der Bibel völlig korrekt.
Was die Kirche daraus gemacht hat… tja. Ich habe ihr daraufhin die folgende Frage gestellt:
Bei allem, was du jetzt weißt, was denkst du? Ist jedes Gebäude, auf dem Kirche steht, eine Kirche?
Sie verstand genau, was ich meinte und, was noch wichtiger ist, was Matthäus 18 sagt: warum es so dort steht und was passiert, wenn wir nicht tun, was die Bibel vorschreibt. Es macht die Situation oft nur noch schlimmer. So schmerzhaft es auch war, dies gab ihr den Raum anzuerkennen, was sie schon vermutete: dass Vers 17 nicht befolgt wurde, mit allen Konsequenzen. Auch für sie.
Ist der Vater immer noch ein Pastor?
Ein Pastor ist ein „Aufseher“, jemand, der die Kirche übersieht. Titus 1:6-9 sagt, was eine solche Person erfüllen muss:
Titus 1:6-9 (ELB) 6 wenn jemand untadelig ist, Mann einer Frau, der gläubige Kinder hat, die nicht der Ausschweifung beschuldigt oder aufsässig sind. 7 Denn der Aufseher muss untadelig sein als Gottes Verwalter, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht dem Wein ergeben, kein Schläger, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, 8 sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, beherrscht, 9 der an dem der Lehre entsprechenden zuverlässigen Wort festhält, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.
Ich fragte sie, ob sie es biblisch gesehen für richtig hielt, dass ihr Vater kein Pastor mehr sein kann. Ihre Antwort war eindeutig: das stimmt. Ihr Vater erfüllt die Kriterien nicht mehr:
- untadelig
- Mann einer Frau
- nicht der Ausschweifung oder Aufsässigkeit beschuldigt
- nicht eigenmächtig
- nicht gerecht
- nicht heilig
Und da er auch nicht auf diesen Bibelvers hörte und nicht an der gesunden Lehre festhielt, kann er laut Bibel kein Pastor mehr sein.
Ich stellte ihr auch die Frage:
Ist jeder, der sich Pastor nennt, ein Pastor? Wenn ich mich selbst einen Flamingo nenne, bin ich dann ein Flamingo?
Auch das verstand sie gut. Sie erkannte, dass das, was sie dachte – dass ihr Vater ein großes Problem hat – nach Gottes Wort korrekt ist.

Die Tochter begriff: Ich bin nicht verrückt, ich liege nicht falsch. Was die Bibel, Gottes Wort sagt, ist wahr, also ist das, was ich dachte, wovor ich mich schon fürchtete, auch wahr.
Aber nun ja… es gab da noch eine Frage:
Aber wie sollte ich jetzt damit umgehen?
Sie gab an, dass ihr Glaube ziemlich ins Wanken geraten war, manchmal kurz vorm Explodieren stand, denn Vertrauen in ihren Vater, den Pastor, und damit auch in Gott, den Vater… das war nun enorm kompliziert. Wir sind dann weiter in die Bibel eingetaucht und kamen (unter anderem) zu folgenden Punkten:
Du bist mit dieser Frage nicht allein:
Psalm 34:19 (ELB) Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er.
Menschen ändern sich, tun manchmal seltsame Dinge, die nicht gut sind. Gott ändert sich nie:
Hebräer 13:8 (ELB) Jesus Christus ist gestern und heute derselbe und in Ewigkeit.
Eine Trennung kann Groll gegenüber einem oder beiden Elternteilen hervorrufen. Die Bibel warnt davor, eine bittere Wurzel aufkeimen zu lassen. Bring deinen Zorn im Gebet vor Gott und bitte um Seine Hilfe, um zu vergeben, auch wenn es Zeit kostet, eine Versöhnung mit deinen Eltern zu erreichen.
Hebräer 12:15 (ELB) und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und Beunruhigung verursache und durch diese viele verunreinigt werden,
Wenn du wütend bist, dann sei wütend auf den wahren Verursacher dieses Elends. So verhinderst du, dass sich deine Wut in Bitterkeit gegenüber (in diesem Fall) deinem Vater verwandelt, wodurch Türen geschlossen werden könnten, die du vielleicht offen halten möchtest. Und wer ist der Verursacher dieses Elends?
1. Petrus 5:8 (ELB) Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.
2. Mose 20:12 (ELB) „Ehre deinen Vater und deine Mutter“
Auch dies bleibt in Kraft, selbst in einer komplexeren Situation. Aber…. Ehre zu erweisen bedeutet nicht, dass man mit allem einverstanden sein muss, was sie getan haben. Es kann bedeuten, dass man beide mit Respekt behandelt und liebevoll bleibt, ohne sich gezwungen zu fühlen, zwischen ihnen „zu wählen“.
Finde Heilung in Gottes Familie:
Epheser 2:19 (ELB) So seid ihr nun nicht mehr Fremde und Nichtbürger, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
Wenn du dich in deiner eigenen Familie entzweit fühlst, kann das Stützen auf Gottes Familie dir Stabilität, Mentorenschaft und Ermutigung bieten. Umgib dich mit Mitgläubigen, die mit dir beten und dich auf deinem Lebensweg begleiten können.
Dies gab ihr Rückhalt. Sie suchte über uns Unterstützung bei ihrer göttlichen Familie und erkannte, dass sie nicht verrückt ist, sondern dass ihr Vater wirklich ein großes Problem hat. Ein nächstes Mal werden wir mit ihr an diesem Thema weiterarbeiten.
Nach einem (viel) längeren Gespräch haben wir mit einem Gebet abgeschlossen. Betet ihr für sie und ihre Familie mit?