Der Zuschauer und der Ball. Krieg, für wen beten wir?
Neulich hab’ ich wieder Louis Davids Klassiker „De Voetbalmatch“ gehört. Der singt von ‘nem Zuschauer, der null von Fußball versteht, aber sich komplett mitreißen lässt. Er kappt die Regeln nicht, fast die Rolle vom Torwart nicht, aber er pfeift den Schiri an und wirft mit Bananen herum. Er verheddert sich in ‘nem Spiel, das er nicht durchschaut.
Mitten im Lied weiß er nicht mal mehr, ob er jetzt bei Ajax gegen Blauw-Wit oder gegen Feyenoord sitzt.
Was er aber sieht, ist, dass es hart zugeht: „Da kam ‘n Krüppel von der Front.“
Heute sind wir diese Zuschauer.
Wir schauen uns Kriege an, bilden ‘ne scharfe Meinung und beten für Land A oder gegen Land B. Aber wie der Typ im Lied haben wir oft keinen Schimmer, wie das politische Spiel wirklich läuft. In dem großen Machtspiel der Großmächte sind die Regeln undurchsichtig. Der Bürger ist der Ball: der kriegt die Tritte und wird herumgespielt.

Wir werden mit Informationen gefüttert, die von Haus aus gefärbt sind. Egal ob selektive Berichterstattung, wirtschaftliche Interessen oder unbewusste Vorurteile von Journalisten: Objektivität ist ‘n Ideal, keine Realität. Wer nun wirklich recht hat oder wer der echte Feind ist, traue ich mich längst nicht mehr zu sagen.
Eins weiß ich bombensicher: Der Bürger ist immer das Opfer. Keiner will für ‘n politisches Spiel sterben. Wer das will, ist wie der Zuschauer bei Louis Davids.
Für wen soll man dann beten? Beten für ‘ne Regierung oder ‘n Land ist knifflig, wenn du die echte Agenda nicht kennst. Aber beten für die Bürger der Länder geht immer. Die fangen die Schläge ein, egal auf welcher Seite der Grenze sie wohnen.
Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: Unparteilichkeit ist ein Luxus der Zuschauer. Wenn die Bomben auf deinem eigenen Haus fallen, ist die Theorie futsch. Da nützen dir keine schönen Reden über Nuancen, denn „Von Luft allein kann man nicht leben“.
Deshalb halte ich mich öfter zurück und sage nichts. Wenn ich was mache, dann bete ich um Schutz für die Leute im Chaos. Und vielleicht das Wichtigste: dass sie trotz der Gewalt menschlich bleiben und das Tier in ihnen nicht aufwacht. Das ist schon schwer genug.
Also, Diskussionen darüber, wer gewinnen sollte? Darauf lasse ich mich gar nicht erst ein. Das zettelt nur wieder einen neuen Krieg im Kleinen an, und ich habe endgültig genug davon. Der Mensch ist immer der Geleimte. Es fing schon mit Adam, Eva, der Schlange und dem Apfel an; wir werden schon so lange manipuliert, wie wir existieren.
Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes heißen. Matthäus 5:9