Das ist egoistisch! Oder doch nicht….?
Neulich hab ich mir wieder mal die Geschichte von den zehn Jungfrauen durchgelesen. Lass uns die Geschichte zuerst mal rausholen und Stück für Stück durchgehen. Mir sind da ein paar Sachen aufgefallen…..
Jesus sprach: „Das Reich Gottes kann man vergleichen mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, um den Bräutigam zu erwarten. Fünf von ihnen waren töricht und fünf klug. Denn die törichten nahmen ihre Lampen, aber kein Öl dazu. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen.”
Matthäus 25:1-4
Es steht wörtlich: kein Öl. Nichts… Also nur die Lampe… ohne Öl. Klar, die Lampe kann man anzünden, aber dann zündet man nur einen trockenen Docht an. Der brennt vielleicht kurz, aber danach hast du einen Docht, der nie wieder funktioniert und immer noch eine trockene Lampe….. ups..
Und es verging eine lange Zeit, und der Bräutigam kam nicht. Da wurden sie müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber wurde gerufen: ‚Seht, da kommt der Bräutigam! Kommt heraus, um ihm entgegenzugehen!‘ 7 Da standen die Jungfrauen auf und machten ihre Lampen fertig. Da sagten die törichten zu den klugen: ‚Gebt uns etwas von eurem Öl, denn unsere Lampen gehen aus.‘ Die klugen antworteten aber: ‚Nein, sonst reicht es für uns alle nicht. Geht lieber hin und kauft Öl für euch selbst.’”
Matthäus 25:5-9
Die Antwort der klugen Jungfrauen? Sehr klar: Nein. Punkt. In einer anderen Übersetzung steht „auf keinen Fall“. Ganz eindeutig, kein Weg drumherum, Nein. Punkt.
Aber ähhh… das ist doch egoistisch! Denn die Bibel sagt doch klar:
Gib, wer dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der von dir leihen will.
Matthäus 5:42
Also warum sagen sie Nein, und wie kann Jesus das dann noch als gutes Beispiel in Matthäus 25 anführen? Spannend!
Werfen wir mal einen Blick über den Tellerrand … Waren diese fünf „törichten“ Mädchen wirklich in Not? Wie echt war diese Not? Oder hätten sie selbst etwas tun können, um das zu vermeiden? Dann stoßen wir auf diesen Vers:
Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.
2 Thessalonicher 3:10
Ah, jetzt wird’s klarer. Die „Not“ der törichten Mädchen war keine echte Not, sondern selbstverschuldet. Ups… Und da stellt sich natürlich die Frage: Muss man ihnen dann überhaupt helfen, wenn das auf Kosten der eigenen Gesundheit geht? In 3. Mose 19:9-10 finden wir auch etwas, das sagt: man muss schon selbst mithelfen. Schau mal:
Wenn ihr die Ernte eures Landes einbringt, sollt ihr die Ränder des Feldes nicht abmähen. Was auf dem Boden liegen bleibt, sollt ihr nicht auflesen. Auch eure Weinberge sollt ihr nicht völlig auslesen. Was auf dem Boden fällt, sollt ihr den Armen und Fremden überlassen. Ich bin der HERR, euer Gott.
3. Mose 19:9-10
Es steht nicht: „Erntet alles, drescht alles, packt alles in Säcke und bringt dann fertige Produkte zu den Armen….“. Nein, man lässt es liegen, und sie können es selbst aufnehmen, dreschen und für sich fertig machen. Wenn sie selbst nichts tun wollen?… tja… noch klarer, was Gott davon hält, wenn du alles für sie machst, dreschst, in Säcke packst und bringst, obwohl sie selbst nichts tun?
Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertreten.
Matthäus 7:6
Also, das ist schon sehr klar… Wenn jemand selbst nichts tut, um gerettet zu werden, hört es auf. Oder doch nicht ganz? Ein einfaches „Nein“ war es auch nicht, da steht noch mehr:
Die klugen Jungfrauen aber antworteten: ‚Nein, sonst reicht es für uns alle nicht.’
Matthäus 25:9a
Es ist also nicht nur „Nein“, sondern es wird auch klar gesagt, was passieren würde, wenn sie „Ja“ gesagt hätten… dann hätte es für niemanden gereicht und alle wären verhungert…. auch die klugen Mädchen, die sich vorbereitet hatten… dann wären alle verloren gewesen…. und das ist keine Option.
Aber ist es damit getan? Nein, danach wird den törichten Mädchen auch gesagt, was sie tun sollen:
Geht hin und kauft Öl für euch selbst.
Matthäus 25:9b
Also ist es kein „Nein“ und Ende. Es wird erklärt, warum und auch, was sie tun sollen, um ans Ziel zu kommen. Es ist eine komplette Botschaft. Also, obwohl das „Nein“ hart klingt, steckt viel mehr dahinter als nur das „Nein“.
Auch in unserer Arbeit stoßen wir oft auf solche Situationen. Wenn Menschen selbst nichts tun, um gerettet zu werden (im wörtlichen oder übertragenen Sinn), stehen auch wir irgendwann machtlos da und hören auf zu helfen oder fangen gar nicht erst an, wenn wir merken, dass sie von vornherein nicht mitmachen. Es hilft nicht, und es kostet unsere Ressourcen (die Gott uns gegeben hat und mit denen wir gut umgehen müssen) und unsere eigene Gesundheit und die anderer. Wir könnten ja auch jemandem helfen, der selbst mit anpackt… Ein „Nein“ in diesem Kontext ist also völlig in Ordnung. Nicht immer einfach, aber ein biblisches „Nein“ ist gut.
Und sind wir jetzt fertig? Noch nicht ganz….
Das Öl, von dem die Rede ist, ist eine Metapher. Öl kommt öfter in der Bibel vor als Symbol für die Wirkung/Gnade des Heiligen Geistes, der in einem sein muss. Eine Lampe ohne Öl ist wie Glaube ohne den Heiligen Geist. Das funktioniert nicht. Punkt.
Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist; denn es ist ihm Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.
1 Korinther 2:14
Und diesen Geist von Gott bekommst du von Gott selbst… den kannst du nicht weitergeben. Es ist ein persönliches Geschenk an dich (Epheser 1:13), das nur Gott geben kann und das du nicht weitergeben kannst. Also konnte das Öl, das die klugen Mädchen dabei hatten, gar nicht geteilt werden. Noch eine Ebene tiefer: Du wirst durch Gottes Gnade gerettet, weil du persönlich an das glaubst, was Jesus für dich getan hat. Dein Glaube kann niemanden retten, und niemand kann durch dich gerettet werden… unmöglich.
Und damit lassen wir es für heute. Da steckt noch viel mehr in diesem Abschnitt, aber fürs Erste reicht es. Wer in der Hilfe arbeitet, sollte sich immer fragen: Ist die Hilfefrage wirklich echt? Achte auf deine eigene Gesundheit; du kannst nur jemandem helfen, der auch selbst an seiner Rettung mitarbeitet. Das sollte man gut im Blick haben. Sonst gehst du selbst unter und landest mit ihm zusammen im Dreck… oder schlimmer….